Zwischen der amerikanischen Gleichgültigkeit und der deutschen Unnachsichtigkeit laviert die Merkel-Regierung nun hin und her. Einerseits versucht sie in Amerika Verständnis dafür zu wecken, dass die Deutschen gram sind und sich ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit der Abhöraffäre befasst.

Andererseits legte sie zur Genugtuung des Weißen Hauses in einem langen Rechtsgutachten dar, warum der Untersuchungsausschuss den in Moskau weilenden Enthüller Edward Snowden tunlichst nicht zur Anhörung nach Berlin einladen sollte. Geradezu gebetsmühlenartig wiederholen Steinmeier, Merkel und de Maizière in Amerika, dass Deutschland nur ein knappes Jahr nach Aufdeckung der Affäre nicht bereits wieder zur Tagesordnung übergehen könne. Dafür seien die Verletzungen zu tief.

Gespräche auch mit Technologiekonzernen

Zugleich aber bekräftigen sie, dass die NSA-Affäre nicht sämtliche Gespräche beherrschen dürfe. Dafür seien die Weltprobleme zu gewaltig, selbst beim Thema Datenschutz. "Die NSA," sagt der Innenminister in Washington, "ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem großen Ganzen."

Gerade in den letzten Monaten, so de Maizière, habe man lernen müssen, dass der Einzelne in seiner Privatsphäre nicht nur vor staatlichen Übergriffen zu schützen sei, "sondern mindestens ebenso vor marktkräftigen Unternehmen". In Washington traf sich der Minister deshalb auch mit Vorständen großer Internet-und Technologieunternehmen, um ihnen die deutsche und europäische Sichtweise auf den Datenschutz zu erläutern. "Das Vertrauen der Kunden," sagte de Maizière, "ist ein ökonomischer Wert".

Mancher Deutsche wünschte sich wohl, die Kanzlerin und ihre Minister würden in Washington endlich mal kräftig auf den Tisch hauen. Denen mal ordentlich die Meinung geigen. Doch würde davor in Amerika niemand wirklich zittern. Ratsam wäre es sowieso nicht.

Der Cyber-Dialog ist ein richtiger Anfang. Wie wir Europäer in vielen Rechtsfragen unterschiedlich denken, weil wir kulturell, sozial und psychologisch anders geprägt sind, so gilt das erst recht zwischen Europäern und Amerikanern. Diese Unterschiede müssen wir herausarbeiten, sie soweit wie möglich zu überbrücken. Und wo das nicht gelingt, wenigstens zu respektieren, dass hier trotz aller Differenzen freiheitsliebende Staaten miteinander am Tisch sitzen, wäre bereits ein Erfolg.

Irgendwann im Herbst wird Amerikas Justizminister Eric Holder nach Berlin kommen. De Maizière hat ihn soeben eingeladen. Dann will Holder, so heißt es, auch endlich Obamas Versprechen umsetzen und konkrete Vorschläge unterbreiten, wie Ausländer künftig bei amerikanischer Spionagetätigkeit besser geschützt werden sollen.

Das wäre ein wichtiger Schritt. Vielleicht trägt er ein wenig zur Besänftigung bei.