Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan hat das Grubenunglück im Westen der Türkei relativiert. Auf einer Pressekonferenz in Soma sagte Erdoğan, ein Unglück wie dieses gehöre zum Bergbau. "Dieses Unglück, so traurig es uns stimmt, ist in erster Linie ein Betriebsunfall, wie er auch anderen Betrieben passieren kann."

Um die Normalität solcher Unglücke zu unterstreichen zählte Erdoğan Grubenunglücke in Frankreich, China und Indien auf. Bei England ging er ins Detail: "Wenn wir in die Geschichte gehen, sind in England 204 Menschen im Jahr 1862 gestorben. 361 Menschen im Jahr 1866. Wieder in England 290 Menschen im Jahr 1894."  Zuletzt nannte er ein Unglück bei dem 1963 in Japan 458 Menschen gestorben waren. "In solchen Minen passieren immer wieder solche Unfälle."

Erdoğan kündigte an, das Grubenunglück in Soma umfassend untersuchen zu lassen. Die Unglücksursache müsse "vollständig" geklärt werden, sagte der Regierungschef. Er werde keine Nachlässigkeiten dulden. Die Zahl der Menschen, die in der Mine gestorben sind, korrigierte Erdoğan auf 238. Weitere 80 Kumpel sind demnach verletzt worden, 120 Bergleute sind noch unter Tage eingeschlossen.

Kritik an den technischen Anlagen in der Grube wies Erdoğan zurück. Das Bergwerk sei auf dem neuesten Stand der Technik gewesen. Es sei regelmäßig kontrolliert worden. Ein Sprecher des Arbeitsministeriums sagte, die Mine sei seit 2012 fünf Mal inspiziert worden, zuletzt im März dieses Jahres. Dabei seien keine Hinweise entdeckt worden, dass Sicherheitsauflagen nicht eingehalten wurden.

Die Opposition hatte der Regierung vorgeworfen, für das Unglück mitverantwortlich zu sein. Erst kürzlich habe die türkische Regierungspartei AKP gegen den Vorschlag der Oppositionspartei CHP gestimmt, mehrere kleine Unfälle in den Minen nahe Soma zu untersuchen.

Menschen in Soma forderten Erdoğan dazu auf, zurückzutreten. Augenzeugen berichten, dass der Regierungschef nach der Pressekonferenz vorübergehend in einen Supermarkt gebracht worden sein soll, als Demonstranten versuchten, ihn zu attackieren. Mehr als 3.000 Polizisten seien demnach in der Stadt gewesen, um Erdoğan zu schützen.

Rettungsteams versuchen in Soma unterdessen das Feuer unter Tage zu löschen und die eingeschlossenen Bergarbeiter zu retten. Journalisten vor Ort berichten, dass es den Bergungsarbeitern derzeit aber nicht gelingen würde, die Kumpel zu erreichen.