Die Nato erwägt, dauerhaft Truppen in Osteuropa zu stationieren. Eine Militärpräsenz in an Russland angrenzenden Ländern sei angesichts des Verhaltens Moskaus "etwas, was wir in Betracht ziehen müssen", sagte der Nato-Oberkommandierende, General Philip Breedlove, während eines Besuchs im kanadischen Ottawa. Diese Entscheidung müsse aber von den Nato-Staats- und Regierungschefs beim nächsten Gipfel im September getroffen werden.

Nach der Annexion der Krim durch Russland hatten die Nato-Mitglieder ihre Präsenz in östlichen Mitgliedsstaaten wie Polen und den baltischen Staaten verstärkt. Entsandt wurden unter anderem Soldaten, Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge. Der Einsatz ist vorläufig bis Ende des Jahres befristet.

Parallel mühen sich Verantwortliche weltweit um eine diplomatische Lösung der Ukraine-Krise: Der Vorsitzende der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Didier Burkhalter, will den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau treffen. Bei dem Vermittlungsversuch soll es darum gehen, wie die Lage vor der Präsidentenwahl am 25. Mai in der Ukraine beruhigt werden kann. Burkhalter, der Schweizer Bundespräsident ist, hatte am Dienstag eine Waffenruhe gefordert. Die Organisation will die Wahl mit gut 1.000 Beobachtern begleiten und so einen fairen Ablauf sicherstellen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt den ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Petro Poroschenko. Der wohlhabende Süßwarenunternehmer, der als aussichtsreichster Bewerber bei der Wahl gilt, kündigte Medien zufolge auch ein Treffen mit Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier an. Die Ukraine wolle alle potenziellen Partner und Verbündeten mobilisieren, um weitere Sanktionen gegen Russland zu verhängen, sagte er demnach. Poroschenko hatte schon in früheren Regierungen des Landes verschiedene Wirtschaftsämter inne.

Außenminister Steinmeier befürchtet, dass in der Region ein offener militärischer Konflikt mit unabsehbaren Folgen entsteht. Er hatte sich deshalb für eine zweite internationale Krisenkonferenz zur Ukraine noch vor der Wahl am 25. Mai stark gemacht.

US-Außenminister John Kerry und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton stellten eine Ausweitung der Sanktionen gegen Moskau in Aussicht, sollte die Krise nicht entschärft und faire und freie Wahlen ermöglicht werden. Das für Sonntag angesetzte Referendum über die Selbstständigkeit der fiktiven "Volksrepublik Donezk" bezeichnete Kerry als "illegal".

Wegen der Annexion der Krim und des aus westlicher Sicht eskalierenden Vorgehens in der Ostukraine verhängten die USA und die EU bereits Sanktionen, die bislang vor allem auf Politiker und einige Wirtschaftsvertreter zielten. Nun wird darüber diskutiert, die russische Wirtschaft stärker ins Visier zu nehmen.