Keine Sitzung im 11. Stock des regionalen Verwaltungsgebäudes von Donezk, das prorussische Kräfte seit einem Monat besetzen, hat je so viel internationales Interesse ausgelöst. Am Mittwoch forderte Wladimir Putin die Separatisten überraschend auf, ein Unabhängigkeitsreferendum zu verschieben. Am Donnerstag traten sie vor Fernsehkameras aus der ganzen Welt. 

Und sie widersetzten sich Putin. Die 78 Delegierten der sogenannten Volksrepublik Donezk (DVR) hätten einstimmig für die Durchführung der Volksabstimmung am 11. Mai gestimmt, teilten sie mit. "Millionen von Menschen sind bereit, ihre Stimme abzugeben", sagte Denis Puschilin, einer der selbsternannten Anführer der DVR. 

Puschilin reagierte gelassen auf die Frage, wie der russische Präsident auf die Entscheidung reagieren wird: "Wir haben keine direkte Leitung zu Wladimir Putin." Auch er, Puschilin, habe nur über die Medien erfahren, was Putin bei einem Treffen mit dem Schweizer Präsidenten Didier Burkhalter eine Verschiebung vorgeschlagen hatte: Dass nämlich das Referendum in der Ostukraine verschoben werden müsse.

Putin, der Friedensstifter?

Wenn sich die Separatisten vom großen russischen Bruder im Stich gelassen fühlten, verbargen sie diese Gefühle gut. Putin sei der echte Demokrat, sagte ein Rebellenführer. Denn anstatt Gewalt anzuwenden, wie es die westlichen Demokratien täten, habe er versucht, Frieden zu stiften. 

Am Vortag hatte das noch anders geklungen: Kurz nachdem Putins Aufforderung an die Separatisten bekannt geworden war, war die Stimmung weitaus weniger entspannt. Einer der Anführer konnte nur ins Telefon stottern, dass er natürlich Wladimir Wladimirowitsch sehr respektiere. Seine persönliche Meinung zu der Forderung wollte er jedoch nicht verraten. 

Schockierende Nachricht aus Moskau

Auf dem Platz an den Barrikaden vor dem Verwaltungsgebäude versammelten sich Mittwochabend mehrere Dutzend prorussische Unterstützer. Für sie war die Nachricht aus Moskau ein Schock. Die Donezker Volksrepublik sollte eigentlich ihr einmonatiges Bestehen feiern. "Seit einem Monat planen wir dieses Referendum. Keiner wird uns daran hindern, es durchzuführen," sagte ein Mann, der ins Mikrophon vor der Bühne sprach. 

"Putins Aussage wurde aus dem Kontext gerissen," sagte eine Dame mittleren Alters. "Es war nur ein Vorschlag, es ist seine persönliche Meinung. Er regiert ein fremdes Land, ebenso wie Angela Merkel." Ein junger Mann stimmte der Frau zu. "Wir werden das Referendum durchführen, koste es was es wolle."