In der ostukrainischen Stadt Donezk sind erneut Schüsse gefallen. Über der Stadt kreisten Kampfflugzeuge, wie örtliche Internetportale berichteten. Bürgermeister Alexander Lukjantschenko empfahl den Einwohnern, aus Sicherheitsgründen zu Hause zu bleiben sowie Fenster und Balkone zu meiden. Die prowestliche Führung geht in der Region mit einer sogenannten Anti-Terror-Operation gegen prorussische Kräfte vor, die weitgehend die Industriemetropole kontrollieren.

Die Separatisten behaupteten, sie hätten den Flughafen zurückerobert. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. In der Nähe des Flughafens hätten Sicherheitskräfte einen mit Waffen beladenen Bus gestoppt, sagte ein Militärsprecher. Dabei seien mehrere Panzerfäuste sichergestellt worden.

Der ukrainische Militärexperte Dmitri Tymtschuk sagte, in den Reihen der Aufständischen kämpften mehrere Ausländer. So seien unter den Getöteten Serben sowie Russen aus der Konfliktregion Nordkaukasus, etwa aus dem früheren Kriegsgebiet Tschetschenien, identifiziert worden. Russland und die Separatisten wiederum behaupten, in den Reihen der Regierungstruppen kämpften US-Söldner.

Ein polnischer Priester, der am Dienstag in Donezk von prorussischen Separatisten entführt wurde, ist inzwischen wieder frei. Das teilte das polnische Außenministerium mit. Der Pfarrer Pawel Witek sei im Gebäude des Sicherheitsdienstes in Donezk festgehalten worden. Dieses ist unter Kontrolle der prorussischen Separatisten.

Russland fordert Ende der Militäraktion

Russland hat die Ukraine abermals aufgefordert, den Militäreinsatz gegen prorussische Separatisten sofort zu beenden. Stattdessen müsse nun ein breiter Dialog aller Regionen und aller politischen Kräfte in der Ukraine beginnen, um eine Verfassungsreform vorzubereiten, sagte Außenminister Sergej Lawrow.

Juri Uschakow, der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, sagte, der ukrainische Militäreinsatz führe in eine Sackgasse und mache einen Dialog zunehmend schwierig. Putin werde am 5. Juni in Paris mit dem französischen Präsidenten François Hollande zusammentreffen und danach an den Feiern zum 70. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie teilnehmen. Dort wird Putin auch US-Präsident Barack Obama begegnen. Formale Gespräche seien aber nicht vorgesehen.

Der Westen hat Wirtschaftssanktionen gegen Vertraute Putins verhängt, weil Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektiert hat. Zudem wird der russischen Regierung unterstellt, die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen und das Nachbarland destabilisieren zu wollen.