Neun in Donezk festgehaltene Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) sind wieder frei. Prorussische Separatisten hätten die acht Ukrainer und einen Schweizer überprüft und sie dann freigelassen, sagte IKRK-Sprecher David Pierre Marquet. Die Mitarbeiter hätten Medikamente und persönlichen Dinge behalten. Sie würden nun in der unruhigen Region ihre humanitäre Arbeit aufnehmen und eine "medizinische Einschätzung" vorbereiten.

Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes waren am Freitagabend unter Spionageverdacht festgesetzt worden. Nach Angaben der Nachrichtenseite Nowosti Donbassa seien Unbekannte in den Sitz des Roten Kreuzes im Stadtzentrum eingedrungen und hätten die Mitarbeiter fortgebracht. Sie wurden demnach in dem von den prorussischen Milizen besetzten Gebäude der Regionalverwaltung festgehalten. In Donezk und anderen Städte im Osten der Ukraine halten prorussische Separatisten seit Wochen Polizeiwachen und Verwaltungsgebäude besetzt.

In der südostukrainischen Großstadt Mariupol hat sich die Lage nach den tödlichen Gefechten vom Vortag dagegen vorerst beruhigt. Die Nationalgarde habe sich aus dem Zentrum der Hafenstadt nahe der russischen Grenze zurückgezogen, teilte die ukrainischen Truppen mit. Es werde alles getan, um die Lage zu stabilisieren.

Am Vortag hatten sich Regierungseinheiten und prorussische Kräfte Schießereien um eine Polizeiwache geliefert, die ausbrannte. Bei den Unruhen wurden nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens sieben Menschen getötet und fast 50 verletzt. Innenminister Arsen Awakow sprach von 20 getöteten "Terroristen". Ein Soldat sei ums Leben gekommen.

Komorowski fordert mehr Entschlossenheit gegenüber Russland

Polens Präsident Bronislaw Komorowski hat von Deutschland unterdessen eine entschiedenere Haltung gegenüber Russlands Präsident Wladimir Putin und seiner Ukraine-Politik gefordert. Sein Land wünsche sich von der Bundesregierung "mehr Entschlossenheit, um den Konflikt zügig beizulegen, damit Europa und seine Nachbarn auch in Zukunft ohne Angst leben können", sagte Komorowski der Bild-Zeitung.

"Ich habe wenig Verständnis für die Art, wie manche in Deutschland heute auf Russland schauen", sagte Komorowski dem Blatt. "Es entsteht der Verdacht, dass manche Politiker in Deutschland einen Weg in der Außenpolitik suchen, der für uns Polen schwer zu akzeptieren ist."

Trotz erster Erfolge der Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland sei es dennoch fraglich "ob wir nicht mehr tun müssen", sagte der polnische Staatschef. "Es ist besser, das Feuer jetzt zu löschen, als zu warten, bis sich der Flächenbrand auf andere Staaten ausdehnt."

Russland hatte Ende März die ukrainische Halbinsel Krim nach einem umstrittenen Referendum eingegliedert. Die Regierung in Kiew und die westlichen Staaten betrachten das Referendum und die Annexion als völkerrechtswidrig. Auch im Osten und Süden der Ukraine gibt es seit Wochen Unruhen. Dort halten prorussische Kräfte die Verwaltungen mehrerer Städte besetzt.