US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat Russland zum Abzug weiterer Soldaten von der ukrainischen Grenze aufgefordert. Zwar sei der größte Teil bereits abgerückt – und das sei ein vielversprechendes Signal, sagte Hagel. "Wir wissen aber auch, dass immer noch Tausende russische Truppen dort sind und bislang nicht bewegt wurden." Russland müsse jedoch sämtliche Soldaten abziehen, die entlang der Grenze in den vergangenen Monaten stationiert worden seien.  

Die amerikanische Regierung schätzt, dass sich momentan noch einige Tausend Soldaten in der Grenzregion aufhalten. Zu Hochzeiten sollen es etwa 40.000 gewesen sein.

US-Außenminister John Kerry hat sich indes besorgt über Berichte geäußert, wonach Kämpfer aus Tschetschenien über Russland in die Ostukraine gelangen, um dort zusammen mit den prorussischen Separatisten zu kämpfen. Es gebe Hinweise, dass in Russland ausgebildete tschetschenische Milizen über die Grenze eingesickert seien, um die Spannungen weiter "anzuheizen", sagte er in einem Fernsehinterview mit dem US-Sender PBS. Nach Angaben seines Ministeriums hatte Kerry das Problem bereits in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow angesprochen. In dem Gespräch hatte er die russische Führung zudem aufgerufen, auf den neu gewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zuzugehen. Russland müsse mit ihm zusammenarbeiten, um den Konflikt in der Ukraine zu deeskalieren.

Das Schicksal der von Separatisten verschleppten Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist weiter unklar. Nach unterschiedlichen Angaben prorussischer Aufständischer sollen sich die vier Männer in der Stadt Slowjansk oder in Luhansk aufhalten. Die OSZE hatte am Montagabend den Kontakt zu der Gruppe verloren, deren Mitglieder aus Estland, Dänemark, der Türkei und der Schweiz stammen. Der selbst ernannte Bürgermeister von Slowjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, sagte, die Beobachter seien im Gewahrsam seiner Kräfte, es gehe ihnen gut. Sie würden verhört. 

Der Westen wirft Russland vor, zur Destabilisierung der Ostukraine beizutragen und prorussische Separatisten zu unterstützen. Die Regierung in Moskau hat dies zurückgewiesen. Der Aufmarsch russischer Soldaten entlang der Grenze zur Ukraine hatte Sorgen geschürt, dass ein Militäreinsatz in Vorbereitung sein könnte.