Seit Wochen gibt es Hinweise auf ausländische Söldner, die an der Seite der prorussischen Separatisten in der Ostukraine kämpfen. Nun gibt es erstmals Belege dafür. Der Bürgermeister von Donezk, Aleksander Lukyanchenko, bestätigte, dass bei Gefechten in Donezk mindestens acht Kämpfer mit russischem Pass Verletzungen erlitten. Und Korrespondenten amerikanischer und britischer Medien sprachen in Donezk mit Kämpfern, die angaben, aus Tschetschenien und Nordossetien zu kommen. Sie hätten schon unter dem tschetschenischen Präsidenten Kadyrow gekämpft, sagte ein Wortführer, der in Filmaufnahmen von CNN und VICE zu sehen ist. In den Videos zeigen sich die Uniformierten unmaskiert – im Gegensatz zu anderen prorussischen Separatisten in der Ostukraine. 

Nordossetien und Tschetschenien sind autonome Republiken innerhalb der russischen Föderation. Russlands Präsident Wladimir Putin hat mehrfach bestritten, dass russische Soldaten die Separatisten in der Ostukraine unterstützten. Nun widersprach auch Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow, ein Freund Putins. Er habe keine Kämpfer geschickt, sagte er. "Ich teile offiziell mit, dass dies nicht der Wahrheit entspricht." Ein Sprecher des russischen Außenministeriums bezeichnete die Informationen ausländischer Medien über kaukasische Kämpfer als "Hype".   

Doch die Bilder und Berichte belegen die Präsenz der Kämpfer in der Ostukraine. Neben VICE und CNN berichtet die Financial Times von Dutzenden tschetschenischen Kämpfern in Donezk. Einige Männer hätten erzählt, sie seien Teil einer tschetschenischen Kampfeinheit, die vor einer Woche nach Donezk gekommen sei. Die Einheit heiße dikaya diviziya, übersetzt "wilde Division".  

Ein 33-jähriger Mann namens Zelimkhan sagte, sie seien auf Befehl des tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrov gekommen. "Unser Präsident hat den Befehl gegeben. Sie haben uns gerufen und wir sind gekommen." Er sei mit 33 anderen Kämpfern aus Grosny gekommen, über die russische Stadt Rostow. In Donezk seien sie auf einer Militärbasis stationiert, gemeinsam mit drei lokalen prorussischen Einheiten. Jede Einheit habe ihren eigenen Kommandeur. Auch 16 Kämpfer aus Nordossetien seien in Donezk.  

"Wir kämpfen im Untergrund"

Der Kämpfer habe sich selbst als "Russe" bezeichnet und gesagt: "Russland kann die Ukraine nicht offen angreifen. Sie sind offiziell nicht hier. Alles läuft im Untergrund ab." Auch Korrespondenten der New York Times und der BBC trafen im Krankenhaus in Donezk Kämpfer aus dem Kaukasus. Die französische Zeitung Le Monde berichtet sogar, von den 45 Kämpfern, die derzeit in Krankenhäusern in Donezk behandelt würden, stammten nur acht aus der Region. Die anderen kämen aus Russland, von der Krim und aus Tschetschenien. 

Das ukrainische Außenministerium sieht die Kämpfer aus dem Kaukasus als Beweis für eine Einmischung Russlands an. In einer Erklärung heißt es, diese seien eine "unverhüllte Aggression" Russlands und "der Export von russischem Terrorismus in unser Land".    

Tschetschenische Kämpfer stehen in dem Ruf, besonders brutal zu kämpfen. Tschetschenien hat zwei Unabhängigkeitskämpfe gegen Russland geführt. Der zweite endete 2009. Die Unabhängigkeitsbewegung ist immer noch aktiv: Tschetschenische Terroristen verüben immer wieder Anschläge in Russland, weil sie einen eigenen Staat wollen. 

Putin setzte Kadyrow ein, um für Ruhe zu sorgen

Präsident Kadyrow war im zweiten Tschetschenienkrieg noch Anführer der Rebellen. Er leitete die sogenannte Kadyrowzy-Truppe, die auch gegen ultranationalistische ukrainische Söldner kämpfte. Dann wechselte er die Seite. 2007 setzte Putin ihn als als Präsidenten der tschetschenischen Republik ein, um für Ruhe zu sorgen. Seitdem erhält Tschetschenien viel Geld vom Kreml.  

Kadyrows Führungsstil ist autoritär. Er ist für seine Brutalität bekannt. Er befürwortet unter anderem sogenannte Ehrenmorde, da er Frauen für das Eigentum ihrer Ehemänner hält. Putin bewundert Kadyrow, wie er 2010 in einem Interview verriet: "Ich habe ihn damals fast umgebracht.  (...) Aber er ist großartig."     

Möglicherweise handeln die tschetschenischen Kämpfer in Donszk auf eigene Initiative. Sollte Kadyrow sie aber gezielt geschickt haben, wäre dies vor allem eines: eine Geste der Loyalität gegenüber seinem Geldgeber Wladimir Putin.