Die Türkei muss der Republik Zypern 90 Millionen Euro Schmerzensgeld zahlen. Das entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Türkische Truppen hätten die Grundrechte griechischer Zyprer verletzt, als sie den Norden der Insel besetzten, urteilten die Richter in Straßburg.

Die Entscheidung betrifft die Folgen eines griechischen Putsches und der türkischen Militärintervention im Juli 1974. Damals verschwanden etwa 1.500 griechische Zyprer. Mehr als 200.000 Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt, es kam zu Enteignungen und Benachteiligung von Griechen, die nach der Teilung im Norden der Insel geblieben waren.

Nach Ansicht der Richter muss die Türkei nun 30 Millionen Euro an Hinterbliebene derjenigen zahlen, die seit der Invasion verschollen sind. Mit den restlichen 60 Millionen Euro sollen griechisch-zyprische Bürger entschädigt werden, die auf der Halbinsel Karpas im türkisch-besetzten Norden Zyperns leben. Sie seien Opfer von Diskriminierungen, heißt es in dem Urteil. Es ist die höchste Entschädigung, die der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bisher zugesprochen hat.

Der Beschluss wurde von der aus 17 Richtern bestehenden Großen Kammer des Straßburger Gerichts mehrheitlich getroffen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Türkei lehnt Urteil ab

Die Prüfung einer Staatenklage Zyperns gegen die Türkei ist damit abgeschlossen. In einem Urteil vom Mai 2001 hatten die Straßburger Richter Zypern bereits grundsätzlich Recht gegeben und Ankara für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen im besetzten Nordteil der Insel verantwortlich gemacht. Die Prüfung der Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadenersatz wurde damals aber verschoben.

Die Türkei lehnt das Urteil ab. Die Entscheidung sei für sein Land  nicht bindend, sagte Außenminister Ahmet Davutoglu. Zudem komme das Urteil zur Unzeit, da die Bemühungen um eine Wiedervereinigung der geteilten Mittelmeerinsel gerade neuen Schwung bekämen. Das sei "aus psychologischer Warte nicht richtig", so der Minister.