US-Präsident Barack Obama will eine neue Strategie im Kampf gegen den internationalen Terrorismus anwenden. Amerika und seine Partner müssten darauf reagieren, dass die Bedrohung heute von dezentral organisierten Gruppen und Extremisten mit verschiedenen Zielen ausgehe.

"Eine Strategie, die bedeutet, in jedes Land einzumarschieren, das Terrornetzwerke beherbergt, ist naiv und unhaltbar", sagte Obama in einer Rede vor den Offiziersabsolventen der Militärakademie in West Point. Stattdessen sollte mit den betroffenen Ländern zusammengearbeitet werden. Ziel müsse sein, den Einfluss der USA zu vergrößern, "ohne Truppen zu senden". Ziel sei ein Netzwerk aus Partnern von Südasien bis Afrika.

Gleichzeitig wies Obama den Vorwurf einer zu zögerlichen Außenpolitik zurück: Die USA seien auch nach einer langen Zeit des Krieges die unverzichtbarste Nation der Welt. Allerdings sollte sich das Land sehr genau überlegen, ob es weitere militärische Engagements eingehe.

"Ich würde meine Pflicht verletzten – Ihnen gegenüber, aber auch gegenüber dem Land, das wir lieben –, wenn ich Sie ins Leid schicken würde, nur weil ich irgendwo in der Welt ein Problem sehe, das gelöst werden muss, oder weil ich mich über Kritiker ärgere, die denken, militärische Intervention sei der einzige Weg für Amerika, um den Eindruck von Schwäche zu vermeiden", sagte er.

Terrorismus bleibt die direkteste Bedrohung für die USA

Auch wenn die USA bald zwei Kriege in der Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 beendet haben, bleibt Terrorismus laut Obama die direkteste Bedrohung der US-amerikanischen Sicherheit. Allerdings habe sich die Bedrohung von einer zentralisierten Al-Kaida verschoben hin zu einer Reihe von Verbündeten der Terroristen. Deswegen müsse sich auch die Reaktion der USA darauf ändern.

Zur Bekämpfung von Terrorismus in der Welt hat Obama die Gründung eines Fonds von fünf Milliarden Dollar (knapp 3,7 Milliarden Euro) angekündigt. Dieser solle es ermöglichen, "Kapazitäten auszubauen und die Zusammenarbeit mit den Partnerstaaten an den Frontlinien zu erleichtern", sagte er.

McCain kritisiert Obamas Rede

Senator John McCain sagte dem TV-Sender MSNBC, die Außenpolitik des Präsidenten sei nicht länger vertrauenswürdig. "In der ganzen Welt glauben sie, das auf uns kein Verlass ist."

Zudem kritisierte McCain, dass alle US-Soldaten aus Afghanistan bis Ende 2016 abgezogen werden sollen. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte McCain. Es sei ein Signal an die Taliban, dass sich Washington zurückziehe. "Das ist die falsche Botschaft."