Ägyptens früherer Armeechef Abdel Fattah al-Sissi hat offiziell das Präsidentenamt übernommen. Die im Fernsehen übertragene Vereidigung fand vor dem streng bewachten Verfassungsgericht in Kairo statt. Zur im Laufe des Tages geplanten Feier im Präsidentenpalast werden unter anderen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der iranische Präsident Hassan Ruhani sowie mehrere afrikanische Staats- und Regierungschefs erwartet. Für den öffentlichen Sektor wurde der Tag – in Ägypten ist der Sonntag ein regulärer Arbeitstag – zum Feiertag erklärt.

Al-Sissi hatte die Präsidentschaftswahl Ende Mai nach offiziellen Angaben mit knapp 97 Prozent der abgegebenen Stimmen gewonnen. Sein einziger Gegenkandidat, der Linkspolitiker Hamdeen Sabbahi, galt schon im Vorhinein als chancenlos. Die Wahlbeteiligung wurde mit etwa 48 Prozent angegeben – und damit nicht so hoch, wie von al-Sissi erhofft.

Vor al-Sissi war der Muslimbruder Mohammed Mursi bisher einziger Zivilist an der Spitze des ägyptischen Staates. Der Islamist hatte 2012 die erste freie Wahl nach der Revolution in Ägypten gewonnen. Ein Jahr später hatte ihn die Militärführung unter al-Sissi nach Massenprotesten gestürzt und eine Übergangsregierung eingesetzt.

Angst vor Repression von Kritikern

Al-Sissi galt seitdem als der eigentliche starke Mann Ägyptens. Mursis Muslimbrüder, die seitdem durch die Sicherheitskräfte und die Justiz rigoros verfolgt werden und bei Zusammenstößen zu Hunderten getötet wurden, hatten zum Boykott der Präsidentschaftswahl aufgerufen.

In Ägypten ist die Hoffnung groß, dass der neue Präsident für Stabilität und eine Rückkehr der Touristen in das Land sorgt. Al-Sissi hatte in seiner Wahlkampagne vor allem den Kampf gegen den Terrorismus betont. Kritiker befürchten, dass dies vor allem die Repression politischer Aktivisten bedeutet. Seit dem Sturz Mursis wurden mehr als 41.000 Demonstranten verhaftet, soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter will das Innenministerium stark überwachen.

Im Herbst soll in Ägypten ein neues Parlament gewählt werden. Ein neues Gesetz sieht vor, dass es künftig 567 Abgeordnete gibt, von denen 540 gewählt und 27 vom Präsidenten ernannt werden. Durch Quoten sollen die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen Ägyptens vertreten sein. So soll gewährleistet werden, dass 24 Abgeordnete koptische Christen und 70 Frauen sind.