Der Favorit der Präsidentenwahl in Afghanistan, Abdullah Abdullah, hat wegen eines mutmaßlichen Wahlbetrugs bei der Stichwahl am vergangenen Samstag einen Stopp der Stimmenauszählung gefordert. Erste Zahlen und andere von seinen Mitarbeitern gesammelte Beweise zeigten, dass es einen massenhaften Betrug gegeben habe. Er habe in die Wahlbehörden kein Vertrauen mehr. Die Beobachter aus seinem Lager rief Abdullah auf, ihre Arbeit einzustellen und in die Parteizentralen zurückzukehren.  

Nach ersten Erkenntnissen der Mitarbeiter Abdullahs liegt Gegenkandidat Aschraf Ghani Ahmadsai mit fast einer Million Stimmen in Führung. Abdullah sagte auf einer Pressekonferenz, sein Wahlteam stelle diesen Stimmengewinn infrage. Dies sei ein dramatischer Anstieg verglichen mit der ersten Runde der Wahl Anfang April, sagte Abdullah. Damals war Abdullah auf 45 Prozent gekommen, während der frühere Finanzminister Ahmadsai 31,6 Prozent errang. 

Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt, zahlreiche Wahlurnen sind noch nicht einmal zur Auswertung in der Hauptstadt Kabul eingetroffen. Beobachter fürchten, dass sich die Zeit bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses durch Betrugsvorwürfe oder eine Anfechtung noch mehr in die Länge ziehen könnte und Afghanistan ein monatelanges Machtvakuum droht.

Auch Ahmadsai spricht von Wahlbetrug

Auch Ahmadsai hatte am Dienstag erklärt, seine Beobachter hätten erheblichen Wahlbetrug festgestellt. Er hatte sich bei der Stichwahl trotz des Rückstands auf Abdullah gute Chancen ausgerechnet und dabei auf die Unterstützung der Paschtunen gesetzt, die in Afghanistan die Bevölkerungsmehrheit stellen. Nun wächst die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausgang angefochten wird. Das vorläufige Ergebnis soll am 2. Juli vorliegen, das Endergebnis am 22. Juli.