Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat sich bei seiner Amtseinführung in Kiew für eine baldige Mitgliedschaft seines Landes in der Europäischen Union ausgesprochen. "Es ist die Zeit gekommen, eine neue und moderne Ukraine zu errichten", sagte Poroschenko  bei seiner Antrittsrede im Parlament.

Die Gäste applaudierten dem 48-Jährigen bei seinem Bekenntnis zu Europa. Niemand habe das Recht, die Ukraine auf ihrem Weg in die EU zu stören, sagte der Milliardär angesichts von Versuchen Russlands, den Westkurs der Ex-Sowjetrepublik zu bremsen.

Nach seinem Amtseid kündigte der Oligarch an, alles für die Einheit des Landes zu tun. Poroschenko betonte, dass er die von Russland einverleibte Schwarzmeerhalbinsel Krim weiter als Teil der Ukraine ansehe. "Die Krim war und bleibt ukrainisch", sagte er. Dies habe er dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei ihrer Unterredung am Vortag im Frankreich "klar" zu verstehen gegeben.

Zwei Wochen nach seinem Sieg bei der Präsidentenwahl hat Petro Poroschenko heute offiziell sein Amt angetreten. Der 48-jährige Milliardär legte am Samstag in einer feierlichen Zeremonie seinen Amtseid ab. "Ich verpflichte mich, mit allen Mitteln die Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine zu verteidigen", sagte Poroschenko.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck, US-Vizepräsident Joe Biden, der französische Außenminister Laurent Fabius und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nahmen an der Zeremonie in der Obersten Rada teil. Es ist das erste Mal, dass Gauck als Präsident an der Amtseinführung eines Kollegen teilnimmt. Dies gilt als Zeichen der Unterstützung für die Ukraine.

Russland ist auf der Ebene des Geschäftsträgers vertreten. Unter den Gästen war auch der als letzter weißrussischer Diktator kritisierte weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko, der in einer Reihe mit Gauck saß. Vor der Zeremonie sprach der Bundespräsident im Parlamentssaal unter anderem mit Ex-Profiboxer Vitali Klitschko, der neuer Bürgermeister von Kiew ist. 

Gespräche am D-Day

Vor der Vereidigung Poroschenkos zeigte sich die Führung in Kiew weiterhin unnachgiebig im Konflikt mit den Separatisten im Osten. "Wir werden die Terroristen aus Luhansk und Donezk vertreiben", sagte Regierungschef Arseni Jazenjuk. Er warf Russland vor, die Kämpfer zu bezahlen und "Krieg" gegen die Ukraine zu führen. Kremlchef Wladimir Putin verlangte dagegen, Kiew müsse seine Truppen im Osten stoppen. Ohne eine Waffenruhe könnten keine Verhandlungen beginnen.

Erst gestern hatten US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel die D-Day-Gedenkfeiern in der Normandie zu einer Vermittlungsoffensive in der Ukraine-Krise genutzt. Merkel sprach erstmals seit der Annexion der Krim im März dieses Jahres persönlich mit dem russischen Präsidenten. US-Präsident Barack Obama forderte Putin zu einem Kurswechsel im Ukraine-Konflikt auf und deutete Konsequenzen im Falle einer Weigerung an. Ohne eine "Deeskalation der Spannungen in der Ukraine" werde sich Russland auf internationaler Bühne "weiter isolieren", sagte Obama bei einem Treffen der beiden Politiker.

Putin traf auch Poroschenko dort erstmals. Nach Kreml-Angaben sprachen sich beide für ein Ende der Kampfhandlungen auf beiden Seiten aus. Anschließend berichtete Poroschenko, Russland wolle einen Vermittler entsenden, um die zahlreichen Streitfragen mit der Ukraine zu klären.