Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ranghohe Vertreter der USA und des Iran zu direkten Gesprächen über das iranische Atomprogramm zusammentreffen sollen. Das Außenministerium in Teheran kündigte überraschend an, dass am Montag und am Dienstag bilaterale Gespräche in Genf stattfinden. Im Anschluss sei für Mittwoch und Donnerstag auch ein Treffen mit russischen Diplomaten in Rom geplant. Die Gespräche sollen zur Vorbereitung der nächsten Atomgespräche dienen. Bei der vorherigen Runde im Mai waren keine Fortschritte erzielt worden.

Hintergrund ist offenbar der Zeitdruck, ein endgültiges und umfassendes Abkommen zu erzielen, das die friedliche Nutzung der Nuklearenergie des Iran garantiert und den Bau von Atomwaffen ausschließt. Eine informelle Frist dafür läuft am 20. Juli aus.  

In der Erklärung des Außenministeriums heißt es laut der Nachrichtenagentur Irna, die Regierung in Teheran hoffe auf weitere bilaterale Treffen mit Mitgliedern der sogenannten 5+1-Gruppe – USA, Deutschland, Russland, China, Großbritannien und Frankreich – noch vor der nächsten Atom-Runde. Die findet vom 16. bis 20. Juni in Wien statt.

Ein Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte das geplante Treffen mit dem Iran. Die USA schicken demnach zwei ranghohe Beamte zu den Gesprächen: Vizeaußenminister William Burns und Staatssekretärin Wendy Sherman, die Unterhändlerin bei den Atomgesprächen ist. Das US-Außenministerium bezeichnete das Treffen als "Konsultationen".

Der Iran und die sechs Länder USA, Russland, China, Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten im November ein Zwischenabkommen zur Begrenzung des Atomprogramms abgeschlossen. Eine umfassendere Vereinbarung soll folgen. Die Atomgespräche sollen zu einer endgültigen Beilegung des jahrelangen Streits führen. Ein Abkommen soll dem Iran erlauben, die Atomtechnik für friedliche Zwecke zu nutzen, gleichzeitig aber dauerhaft verhindern, dass sie zur Entwicklung von Atomwaffen verwendet wird. Die Verhandlungen bauen auf einem Ende November geschlossenen Interimsabkommen auf, das zunächst bis zum 20. Juli läuft.