US-Präsident Barack Obama hat dem designierten ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko umfassende Hilfe zugesagt. Die USA würden die Ukraine unterstützen, sich aus der Energie-Abhängigkeit von Russland zu lösen und die Wirtschaft wiederzubeleben, sagte Obama nach einem Treffen mit Poroschenko in Warschau.

Er habe mit dem kürzlich gewählten Präsidenten der Ukraine auch darüber gesprochen, wie Amerika bei der Ausbildung von Polizei und Militär helfen könne. Die USA würden neue Unterstützung bereitstellen, weil die fragile Regierung einen Ausweg aus der Krise suche, sagte Obama. Die USA wollen Ausrüstung im Wert von fünf Millionen Dollar (3,7 Millionen Euro) schicken, darunter Körperpanzerung, Nachtsichtbrillen und Kommunikationsgeräte. Bislang hatten die USA mit Kleidung, Essen und Radios geholfen.

Das Treffen der führenden Industrieländer (G7) werde zeigen, dass die internationale Gemeinschaft hinter der Ukraine stehe, sagte Obama. Mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft könne das Land eine dynamische, erfolgreiche Demokratie werden. Die Ukrainer hätten bei ihrer Präsidentschaftswahl am 25. Mai Gewalt und Korruption zurückgewiesen und dafür Demokratie gewählt. Er lobte Poroschenko, dem unruhigen Osten die Hand zu reichen. Er sei sehr beeindruckt von dessen Vision, teils wegen seiner Erfahrung als Geschäftsmann.

Die USA unterstützen die Bemühungen der Regierung in Kiew, sich enger an den Westen zu binden. Daneben sucht die US-Regierung Absatzmärkte für ihr Erdgas, das im großen Stil durch die in Europa umstrittene Fracking-Fördermethode gewonnen wird. Russland sieht sich durch eine Westanbindung der Ukraine bedrängt und unterstützt prorussische Separatisten in dem Land. Die Kämpfe zwischen ihnen und der ukrainischen Armee im Osten des Landes haben seit der Präsidentenwahl deutlich zugenommen.

In der polnischen Hauptstadt nehmen Obama und Poroschenko an den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der ersten annähernd freien Wahlen am 4. Juni 1989 in Polen teil, die das Ende der kommunistischen Herrschaft einleiteten. Obama hält zudem vor dem königlichen Schloss in Warschau eine Rede zur Sicherheit in Europa.

Kerry trifft Lawrow

Am Donnerstag will Obama in Frankreich mit Hollande über die Krise in der Ukraine beraten. Auch ein Treffen Hollandes mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin ist vorgesehen, jedoch keines zwischen Obama und Putin. US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow wollen sich aber treffen.

Am Freitag werden Obama und Putin in Frankreich dann bei den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie aufeinandertreffen. Dabei ist ein informelles Treffen nach Angaben aus dem Weißen Haus nicht ausgeschlossen. Am Rande ist offiziell ein Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Putin vereinbart.

Die Gedenkfeier in Frankreich, zu der 19 Staats- und Regierungschefs eingeladen sind, hat angesichts der Ukraine-Krise eine besondere Brisanz. Auch Poroschenko wird dort erwartet. Obama forderte Putin zuletzt auf, ein Gesprächsangebot seines ukrainischen Kollegen anzunehmen und seinen Beitrag zur Lösung des Konflikts in der Ukraine zu leisten.