Es waren nur drei Unterschriften, aber an ihnen hängt die Zukunft dreier Länder. Und auch ein Stück der Zukunft der EU. Von einer "historischen Situation" hatte der moldauische Ministerpräsident Iurie Leancă gesprochen, bevor er an diesem Freitag beim EU-Gipfel in Brüssel das Assoziierungsabkommen zwischen der Republik Moldau und der Europäischen Union unterzeichnete. Dasselbe haben für ihre Länder der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und der georgische Regierungschef Irakli Gharibaschwili getan.

Drei Abkommen, drei Unterschriften, die den Weg für eine weit reichende wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit ebnen. Auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, sonst ein eher nüchterner Vertreter, sparte nicht mit großen Worten. Diese Abkommen seien "Meilensteine" – "ein großer Tag für Europa". Ob die meisten Europäer das auch so empfinden?

Viereinhalb Jahre lang haben allein die Republik Moldau und die EU miteinander verhandelt. Viereinhalb Jahre lang hat Iurie Leancă für die Zukunft seines Landes gekämpft. Oder genauer: für die Zukunft, die er sich für sein Land vorstellt – an der Seite der EU, eines Tages vielleicht sogar einmal in der EU.

Erst als Außenminister, dann als Regierungschef hat Leancă viereinhalb Jahre lang alles dafür getan, um die strengen Auflagen der EU zu erfüllen und sein Land zu reformieren. Dieser Prozess, sagt er am Vortag der Unterzeichnung in Brüssel, sei längst nicht von allen im Land unterstützt worden. Und außerhalb schon gar nicht: "Es gab starken Widerstand."  

Druck aus Russland

Dieser Widerstand wird nicht nachlassen, nun da das Abkommen unterzeichnet ist. Im Gegenteil, Leancă rechnet ebenso wie seine Kollege aus Georgien und die Führung der Ukraine fest damit, dass der Druck Russlands noch einmal wachsen wird. "Was geschieht am 28. Juni?", fragt er, also am Tag nach der Unterzeichnung. Es klingt wie eine rhetorische Frage. Denn auch die Republik Moldau, eingezwängt zwischen Rumänien und der Ukraine, gehört zu den Ländern, die die russische Regierung nach wie vor zu ihrem Einflussbereich zählt. Moskau betrachtet die Annäherung des kleinen Landes an die EU daher mit demselben Argwohn wie die der Ukraine und Georgiens.  

Iurie Leancă weiß, dass sein Land mit dreieinhalb Millionen Einwohnern das kleinste und am leichtesten verwundbare der drei ist. "Ungewissheit ist eine Einladung zu Unsicherheit", sagt er. Der Regierungschef rechnet fest damit, dass die russische Regierung diese Unsicherheit ähnlich wie in der Ukraine auch in seinem Land weiter schüren wird. Sei es durch wirtschaftliche Repressionen, sei es durch politische Einflussnahme oder gar militärischen Druck. Transnistrien, die umstrittene Teilrepublik, die völkerrechtlich zu Moldau gehört, in der aber russische Truppe stehen, hat erst im März nach dem Vorbild der Krim einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Russischen Föderation gestellt.