Frankreich hält inmitten der Ukraine-Krise und trotz der Androhung verschärfter Sanktionen gegen Moskau an einem großen Rüstungsgeschäft mit Russland fest. Es geht um zwei Hubschrauberträger vom Typ Mistral, 1,2 Milliarden Euro – und um mögliche Folgegeschäfte. Bereits morgen sollen russische Marine-Soldaten in Frankreich mit dem Training für den Umgang mit der Wladiwostok und der Sewastopol beginnen.

Das 2011 beschlossene Geschäft war von Verbündeten Frankreichs zuletzt immer wieder unter Verweis auf die aktuelle politische Situation kritisiert worden. Vor allem die USA und die östlichen Nato-Partner stellten die Lieferung in Frage. Erst Anfang Juni brachte US-Präsident Barack Obama erneut seine Besorgnis über die Vereinbarung zum Ausdruck. Eine Aufrechterhaltung des Geschäftes sei problematisch, nachdem "Russland internationales Recht gebrochen hat", sagte Obama.

Frankreich argumentiert dagegen, es gehe um ein privates Geschäft, denn der Vertrag sei zwischen Industrieunternehmen abgeschlossen worden. Eine staatliche Prüfung sei erst dann durchzuführen, wenn das erste der beiden Schiffe im Herbst ausgeführt werden soll, heißt es im französischen Verteidigungsministerium. Zudem hätten die bisher gegen Russland erhobenen Sanktionen keinerlei Auswirkungen auf die geplante Lieferung.

Putin lockt mit weiteren Bestellungen

Russland hatte immer wieder betont, großes Interesse an den Kriegsschiffen zu haben. Im Falle einer Lieferung stellte Präsident Wladimir Putin weitere Bestellungen in Aussicht. "Wenn Frankreich entscheidet, den Vertrag zu annullieren, kann es das tun. Wir werden dann Entschädigung verlangen", sagte Putin bei seinem Frankreich-Besuch Anfang Juni. 

Die Mistral sind die größten französischen Kriegsschiffe nach dem Flugzeugträger Charles de Gaulle. Sie können 16 Hubschrauber, 13 Panzer, etwa hundert Fahrzeuge und 450 Soldaten zu einem Einsatzort transportieren.