Eigentlich hat Joachim Gauck am Samstag in Oslo gar nichts Neues gesagt. Er hat nur bekräftigt, was er über die deutsche Außenpolitik denkt. Nämlich dass sie ihre Zurückhaltung angesichts der Krisen dieser Welt und der Bedeutung Deutschlands aufgeben müsse. Dass das Land mehr Verantwortung wahrnehmen solle. Und dass dazu als letztes Mittel auch gehöre, "den Einsatz militärischer Mittel nicht von vorneherein zu verwerfen".

Nichts davon ist neu. Spätestens seit der Münchner Sicherheitskonferenz kennt jeder Gaucks Haltung. Trotzdem setzten am Wochenende sogleich die üblichen politischen Reflexe ein. Einen Feldherrn und Weltpolizisten nannte der außenpolitische Sprecher der Linken, Jan van Aken, den Bundespräsident und meinte das nicht freundlich. Auch die SPD und die Grünen gaben sich irritiert. Grünen-Sicherheitspolitikerin Agnieszka Brugger warnte, Militäreinsätze dürften nicht zum Normalfall der Außenpolitik erklärt werden. Ihr SPD-Kollege Rolf Mützenich sah ebenfalls keinen Anlass dafür, am bisherigen Umgang mit Auslandseinsätzen zu rütteln.

War es also ein Fehler, dass sich Gauck in einer Zeit äußerte, wo schwere Konflikte die Welt erschüttern: die Attacken der islamistischen Isis-Krieger im Irak, die Kämpfe in Syrien, im Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik, die wieder drängender werdende Ukraine-Krise?

So sehen es seine Kritiker offenbar. Allerdings gingen sie nicht auf die Motive ein, die Gauck formulierte. Deutschland sei eine solide und verlässliche Demokratie und ein Rechtsstaat. "Es steht an der Seite der Unterdrückten. Es kämpft für Menschenrechte." Was daran ist falsch?

Ebenfalls nahmen die Kritiker offenbar nicht wahr, dass Gauck keineswegs schnelles militärisches Eingreifen forderte. Vielmehr ist es ihm ein letztes Mittel, das auch nur im Rahmen von EU oder Nato denkbar ist. Aus Oslo lobte er zudem, wie die Bundesregierung im Ukraine-Konflikt agiert. Dort hat sie militärische Mittel von vorneherein ausgeschlossen.

Wenn der Bundespräsident nun von Militäreinsätzen spricht, dann heißt das also nicht, dass er leichtfertig Bundeswehrsoldaten in einen der aktuellen Konflikte schicken will. In Oslo nannte er vielmehr Norwegen als Vorbild dafür, wie Deutschland in Menschenrechts- und Friedensfragen handeln könnte – nicht gerade ein Land, dass für seine Interventionen bekannt ist. Ausschließen will er die militärische Option jedoch auch nicht. "Wir brauchen international auch Kräfte, die Verbrecher und Despoten, die gegen ihr eigenes Volk oder gegen ein anderes mörderisch vorgehen, stoppen."