Die Kämpfe im Irak gehen unvermindert weiter: Milizen der Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) versuchen, die größte Ölraffinerie des Landes in der Stadt Baidschi zu stürmen. Nach Angaben von Raffinerie-Mitarbeitern setzen sie Maschinengewehre und Mörsergranaten ein. Wie die Nachrichtenagentur All Iraq berichtet, reagierten irakische Regierungstruppen mit Luftangriffen auf Stützpunkte der sunnitischen Islamisten.

Die Aufständischen seien in den Raffineriekomplex eingedrungen, sagte ein Behördenvertreter. Mehrere Öltanks seien in Brand geraten. Ein Angestellter der Raffinerie sagte, die Beschäftigten seien geflohen. Mehrere Soldaten seien bei den Kämpfen getötet oder verletzt worden.

Die Raffinerie in Baidschi ist zentral für die Energieversorgung des Landes und der etwa 200 Kilometer entfernten Hauptstadt Bagdad. Die Öllieferungen von dort sind für den inländischen Gebrauch bestimmt und für mehr als ein Viertel der gesamten Förderleistung des Landes verantwortlich. Jeder längere Ausfall in Baidschi wird lange Warteschlangen an Tankstellen und Stromknappheit zur Folge haben, was das Chaos im Irak noch verstärken dürfte. 

Ölpreis ist bereits gestiegen

In der vergangenen Woche hatten Isis-Kämpfer die Stadt eingenommen und rund um die Raffinerie Stellung bezogen. Am Dienstag war der Betrieb in der Raffinerie eingestellt worden, ausländische Arbeiter wurden in Sicherheit gebracht. Der Ölpreis an den internationalen Märkten ist bereits gestiegen.    

In der Nähe der Ölstadt Kirkuk dauern die Kämpfe ebenfalls an. Dort wurden nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Dogan weitere ausländische Bauarbeiter von den Islamisten verschleppt. Unter den Geiseln seien neben 15 Türken auch Arbeiter aus Pakistan, Bangladesch, Nepal und Turkmenistan. Die Zeitung Times of India berichtete zudem von 40 indischen Bauarbeitern, die von mutmaßlichen Isis-Mitgliedern festgehalten würden. Ein Außenministeriumssprecher in Neu-Delhi sagte, er könne den Bericht nicht bestätigen. Allerdings sei es der Regierung bislang nicht gelungen, mit der Gruppe in Mossul Kontakt aufzunehmen.

Isis kontrolliert weite Teile Nord-Iraks

Die Islamisten hatten vor einer Woche die Millionenstadt Mossul im Norden des Irak erstürmt. Sie entführten 31 türkische Lkw-Fahrer und nahmen bei der Einnahme des türkischen Konsulats weitere 49 Geiseln. Inzwischen kontrollieren die Extremisten weite Teile nördlich von Bagdad. 

Die Vereinten Nationen warnen vor einer Ausweitung des Konflikts zu einem Krieg in der gesamten Region. Die sunnitischen Isis-Kämpfer betrachten Schiiten als Ketzer und haben gedroht, die von ihnen verehrten Grabmäler der Imame in Samarra, Kerbela und Nadschaf zu zerstören. Der angesehene schiitische Geistliche Großajatollah Ali al-Sistani rief vergangene Woche die Schiiten auf, zu den Waffen zu greifen, um die heiligen Stätten zu verteidigen.

Iran will heilige Stätten im Irak verteidigen

Irans Präsident Hassan Ruhani versicherte, sein Land werde alles zum Schutz der heiligen Stätten im Nachbarland tun. Der Iran warne "die Großmächte, ihre Lakaien, die Mörder und Terroristen", dass das iranische Volk alles zum Schutz der Begräbnisstätten der schiitischen Imame in Kerbela, Nadschaf, Kadhimijah und Samarra tun werde, sagte Ruhani. Zuvor hatte er dem Irak bereits Unterstützung im Kampf gegen die Isis-Gruppe zugesagt.