Das irakische Parlament will am 1. Juli mit der Bildung einer neuen Regierung beginnen. Das sagte US-Außenminister John Kerry dem TV-Sender ABC nach einem Besuch in den kurdischen Autonomiegebieten im Nordirak. Dort wollte der US-Außenminister auf die Kurden einwirken, damit sie sich nicht vom irakischen Staatsgebiet abspalten und einen eigenen Staat gründen.

Bei der Parlamentssitzung am kommenden Dienstag sollen laut Kerry der Parlamentssprecher, der irakische Präsident und dann der Ministerpräsident gewählt werden. Bei dem unangekündigten Besuch in der Region hatte der US-Minister auf die rasche Bildung einer Regierung gedrängt, an der die drei größten Bevölkerungsgruppen des Landes – Schiiten, Sunniten und Kurden – beteiligt sind.

Nach den Worten eines US-Regierungsbeamten ist in Bagdad zu hören, dass die Kurden wieder den Präsidenten, die Schiiten den Ministerpräsidenten und die Sunniten den Parlamentssprecher und Vizepräsidenten stellen wollen. Bislang haben sich die Parteien allerdings nicht auf die Kandidaten einigen können.

Kerry hatte zuvor während des Besuchs in Bagdad die politische Elite des Landes zur Eile gedrängt: "Der Irak steht vor einer existenziellen Bedrohung, und die irakischen Führer müssen dieser Bedrohung mit der gebotenen Eile begegnen", sagte Kerry. Die Bildung einer solchen Regierung sei derzeit die größte Herausforderung des Landes.

Forderungen nach dem Rücktritt des irakischen Regierungschefs Nuri al-Maliki kommentierte Kerry in dem ABC-Interview nicht. Die sunnitische Minderheit im Irak wirft dem schiitischen Regierungschef vor, sie systematisch zu benachteiligen und dem Vormarsch der Islamisten im Irak so den Weg bereitet zu haben. Die Kämpfer der sunnitischen Gruppierung Islamischer Staat im Irak und Großsyrien (Isis) haben in den vergangenen Tagen Teile des Nordirak unter ihre Kontrolle gebracht.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben die Isis-Kämpfer allein im Juni mindestens 1.075 Menschen getötet. Die weitaus meisten waren Zivilisten. Allein in den drei nördlichen und westlichen Provinzen Ninive, Dijala und Salaheddin seien mindestens 757 Zivilisten umgebracht worden, sagte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte.