Irakische Spezialtruppen haben während einer Luftlandeoperation die Kontrolle über die Universität von Tikrit zurückerobert. Dutzende Soldaten hätten das Gebäude besetzt, teilten Behördenvertreter mit. Kämpfer der Bewegung Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) hatten Tikrit am 11. Juni erobert.

Für Verwirrung sorgte eine Meldung der britischen BBC, wonach syrische Kampfflugzeuge Isis-Stellungen nahe der Grenzstadt bombardiert hätten. Der irakische Präsident Nuri al-Maliki soll dem Sender gesagt haben, dass der Irak zwar nicht um die Luftangriffe gebeten habe, aber solche Angriffe auf Isis-Kämpfer in seinem Land willkommen heiße.

Die BBC korrigierte das Zitat später. Al-Maliki habe demnach gesagt, syrische Flugzeuge hätten Isis-Stellungen auf der syrischen Seite des Grenzortes attackiert. Syrische Medien hatten zudem dementiert, dass Kampfflugzeuge des Landes Isis-Stellungen im Irak angegriffen haben.

Al-Maliki hat unterdessen gesagt, dass er eine neue Regierung bilden wolle. Er kündigte eine Parlamentssitzung "zur Wahl des Parlamentspräsidenten und eines Staatspräsidenten sowie die Bildung einer Regierung" an.

Führende schiitische und sunnitische Politiker hatten verlangt, dass al-Maliki zurücktreten müsse. Der möchte aber im Amt bleiben. Seine Allianz für den Rechtsstaat war nach den Wahlen Ende April mit 92 von 328 Mandaten stärkste Kraft geworden.

Auch die USA und andere westliche Länder fordern ein Kabinett, in dem Schiiten, Sunniten und Kurden repräsentiert werden. Der britische Außenminister William Hague sagte während eines Besuchs in Bagdad, der Irak sei existenziell bedroht. "Der wichtigste Faktor, der darüber entscheidet, ob der Irak diese Herausforderung meistern kann, ist politische Einheit."

Christliche Familien fliehen in die kurdischen Gebiete

Unterdessen sind Hunderte christliche Familien vor Angriffen der Isis-Milizen aus dem Nordirak in die kurdischen Autonomiegebiete geflohen. Das gaben kurdische Einheiten bekannt. Isis-Kämpfer hätten am Donnerstag mit Granaten den überwiegend von Christen bewohnten Ort Karkusch südöstlich der Stadt Mossul bombardiert. Dabei seien zwei Menschen verletzt worden. Die Christen seien unter anderem nach Erbil, die Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion, geflohen. 

Schon nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein 2003 hatten irakische Christen in Scharen ihre Heimatorte auf der Flucht vor Gewalt von islamistischen Extremisten und Bürgerkrieg verlassen. Von den einst rund 1,5 Millionen Christen leben heute laut Schätzungen nur noch rund 300.000 im Land.