Für einen militärischen Einsatz der USA im Irak gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) ist nach Einschätzung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kein Mandat des Weltsicherheitsrates erforderlich. Das sagte er der Neuen Zürcher Zeitung.

"Die USA werden darüber entscheiden müssen, ob sie mit Bodentruppen oder anderen militärischen Mitteln in den Konflikt eingreifen und ein solches Vorgehen mit der Regionalmacht Iran absprechen wollen", sagte Ban. Sollte der Irak die beiden Länder darum bitten, "braucht es dazu sicherlich keinen Beschluss des UN-Sicherheitsrates".

Am Donnerstag hatte Obama die Entsendung von bis zu 300 weiteren Militärberatern in den Irak angekündigt und die Bereitschaft zu gezielten Militärschlägen bekundet. Allerdings würden keine amerikanischen Kampftruppen eingesetzt, sagte Obama. Er mahnte eine politische Lösung des Konflikts an. "Am Ende müssen die Iraker das lösen", sagte er. Am Wochenende werde Außenminister John Kerry zu einer Nahost- und Europa-Reise aufbrechen, um die diplomatischen Gespräche voranzutreiben.

Iraks Nachbarstaaten sollen im Kampf gegen Terroristen helfen

Der UN-Generalsekretär forderte außerdem die Nachbarn des Irak auf, die Regierung in Bagdad im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen. Die Lage im Irak verschlechtere sich täglich, während die Isis-Kämpfer immer weiter vorrücken. "Die Krise ist sehr ernst."

Die Vereinten Nationen warnen vor einer Ausweitung des Irak-Konflikts auf die gesamte Region. Isis-Kämpfer waren in den vergangenen Tagen gen Syrien vorgerückt. Auch der Iran beobachtet die Vorgänge mit Sorge und hat erklärt, heilige Stätten im Irak mit allen Mitteln zu verteidigen.

Tiefes Misstrauen in der Gesellschaft

Der Iran kann nach Aussagen Obamas auch dabei helfen, die Menschen im Irak wieder zu einen. Es sei entscheidend, das tiefe Misstrauen zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden zu überwinden. Der Iran könne hier konstruktiv mithelfen, sagte Obama. "In diesem Moment steht das Schicksal des Iraks auf Messers Schneide."

Als "positiven und wichtigen Schritt" wertete Ban, dass der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki vor Kurzem mit sunnitischen Führern zusammengetroffen war. "Al-Maliki wird allerdings auch die Unterstützung regionaler Mächte, die mäßigend auf die verschiedenen Volksgruppen einwirken können, benötigen."