Die irakische Regierung hat die USA offiziell gebeten, sie im Kampf gegen die Islamisten der sunnitischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) mit Luftangriffen zu unterstützen. Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari sagte, die Regierung in Bagdad habe gemäß eines Sicherheitsabkommens zwischen den beiden Ländern "Luftschläge gegen die Terroristengruppen" angefragt.

US-Präsident Barack Obama wägt seit Tagen mögliche Optionen, um den Vormarsch der Terrorgruppe Isis zu stoppen und die religiöse Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten zu beenden. Die USA führten dabei auch Gespräche mit dem Iran, eine militärische Zusammenarbeit mit der Regierung in Teheran schloss das Weiße Hause aber aus. 

Bislang hat Obama einen Flottenverband in den Persischen Golf entsandt und bis zu 275 Soldaten zum Schutz von US-Bürgern und der Botschaft des Landes in den Irak geschickt. Die Regierung in Washington steuert zudem Geld, Waffen und Trainingsprogramme für das irakische Militär bei. Er hat angekündigt, weitere Maßnahmen zu prüfen. Als eine Option gelten Luftangriffe. 

Energieversorgung gefährdet

Die vorrückenden Islamisten der Isis hatten zuvor ihre Offensive ausgeweitet und die größte Raffinerie des Landes in Baidschi angegriffen. Damit schüren sie die Sorgen um die weltweite Ölversorgung. Einzelnen Kämpfern sei es gelungen, in die Anlage einzudringen, sagte ein Raffinerie-Mitarbeiter, der sich in dem Komplex aufhielt. Ein geflüchteter irakischer Offizier berichtete zudem, dass die Islamisten die Kontrolle über das Areal der Raffinerie übernommen hätten. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht.

Baidschi ist für Bagdad strategisch bedeutend. Dort steht auch ein Elektrizitätswerk, das die Hauptstadt mit Strom versorgt. Stundenlang tobten heftige Kämpfe der Islamisten mit Regierungstruppen, die auch Luftangriffe auf Isis-Stützpunkte flogen. Die irakische Führung rief die Menschen auf, Benzin und Strom zu sparen und mit Lebensmitteln umsichtig umzugehen. Vereinzelt gab es bereits Stromausfälle, Internetdienste wie Twitter und Facebook waren zeitweise unterbrochen.   

Die Internationale Energieagentur (IEA) bezeichnet die Ölförderung als einen Grundpfeiler der irakischen Wirtschaft. Für die Zukunft des Landes sei sie von entscheidender Bedeutung. Der Irak verfügt demnach über die fünftgrößten Erdölreserven weltweit. Von der Ölraffinerie werden aber auch irakische Stellen beliefert, etwa Tankstellen. Der Raffineriebetrieb wurde aus Sicherheitsgründen bereits am Dienstag eingestellt.

Reaktionen aus Deutschland   

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht vor allem die USA in der Verpflichtung, den Vormarsch der Islamisten im Irak zu stoppen. "Natürlich haben die Amerikaner eine ganz besondere Verantwortung", sagte sie. Präsident Obama nehme sie bereits wahr. Merkel schloss jegliche militärische Hilfe aus Deutschland aus: "Was Deutschland beitragen kann – jenseits jedes militärischen Engagements –, das ist sicherlich zu versuchen, den politischen Prozess mitzubegleiten."

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte bei einer USA-Reise zunächst gesagt, dass bei der Konfliktlösung im Irak vor allem die regionalen Akteure gefragt seien. Später fügte sie hinzu, dass sie die USA gleichermaßen in der Pflicht sehe. Zu einer möglichen militärischen Intervention der Amerikaner wollte sie sich nicht äußern.

Die Extremisten hatten Anfang vergangener Woche die Millionenstadt Mossul im Nordirak eingenommen. Inzwischen kämpfen sie bereits wenige Dutzend Kilometer von Bagdad entfernt gegen Regierungstruppen und Freiwillige, die sich massenweise zum Dienst an der Waffe melden. Aus verschiedenen irakischen Landesteilen wurden zudem Entführungen gemeldet. Im Nordosten nahmen Isis-Kämpfer einem Medienbericht zufolge weitere 60 ausländische Arbeiter als Geiseln, darunter 15 Türken.