Nach einer Großoffensive zur Rückeroberung von Tikrit meldet die irakische Armee erste Erfolge. Soldaten hätten Al-Awja, einen Vorort der Stadt Tikrit, in einem groß angelegten Angriff befreit, sagte ein Armeeoffizier.  

Hubschrauber würden nun weitere Ziele in Tikrit aus der Luft beschießen, hieß es aus Militärkreisen. Kämpfer der Islamistengruppe Isis hätten ein Verwaltungsgebäude aufgegeben. Bereits am Donnerstag waren Scharfschützen der Streitkräfte auf dem Universitätsgelände abgesetzt worden. 

Bei Kämpfen seien in Tikrit 29 Extremisten getötet worden, sagte ein weiterer Armeesprecher in Bagdad. Allerdings leisteten die Islamisten Widerstand und würden von mehreren sunnitischen Gruppen und Anhängern von Saddam Hussein unterstützt.

Das Umland der Stadt würde von Regierungstruppen kontrolliert, nun wolle man die Stadt "von allen Seiten" stürmen. Laut einem Bericht des irakischen Nachrichtenportals Al-Sumeria unterstützen lokale Kräfte die irakische Armee. In Al-Awja liegt auch der frühere Machthaber Saddam Hussein begraben.

Armee hat offenbar Kontrolle über Straße von Bagdad bis Samarra zurückerobert

Regierungstruppen hatten am Samstag mit dem Vormarsch in die Heimatstadt von Saddam Hussein begonnen, die die Isis-Rebellen am 11. Juni unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Unterstützt wurden sie von Kampfflugzeugen, die nach Regierungsangaben Stellungen der Dschihadisten in Tikrit bombardierten. Das US-Militär lässt derweil bewaffnete Kampfdrohnen über der Hauptstadt Bagdad fliegen.

"Eine große Militäroperation ist heute gestartet, um Tikrit von Isis zu säubern", sagte Generalleutnant Sabah Fatlawi. Fliehen oder getötet werden, das seien die einzigen zwei Möglichkeiten, die sich den Isis-Kämpfern böten, sagte Fatlawi weiter. Tikrit ist neben Mossul eine der größten Städte in der Hand der Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis), die seit Anfang Juni weite Teile des Nordiraks erobert hat. Tikrit liegt etwa 140 Kilometer nordwestlich von Bagdad.

Wie der für Sicherheitsfragen zuständige Sprecher von Ministerpräsident Nuri al-Maliki, Generalleutnant Kassem Atta, im Fernsehen sagte, hat die Armee mittlerweile die Kontrolle über die Straße von Bagdad nach Samarra im Süden von Tikrit übernommen. Am Donnerstag hatte die Armee bereits das Universitätsgelände am Stadtrand zurückerobert.

Die irakische Armee hatte zuvor vielfach kampflos ihre Positionen geräumt, zahlreiche Soldaten waren desertiert. Später fing sich die Armee aber wieder und stoppte den Vormarsch der sunnitischen Rebellen auf die Hauptstadt Bagdad.

Die nun gestartete Militäroffensive ist die bisher größte Aktion der irakischen Streitkräfte seit dem Beginn der Isis-Offensive vor bald drei Wochen. Nach Angaben von Kassem arbeitet die Armee auch mit den USA zusammen, um "wichtige Ziele" für den Kampf gegen die Islamisten auszumachen.

Deutschland unterstützt Rotes Kreuz im Irak

Die irakische Regierung hatte die USA immer wieder gebeten, sie im Kampf gegen die Extremisten mit Luftangriffen zu unterstützen. US-Präsident Barack Obama ließ bislang lediglich 300 Militärberater in den Irak verlegen, um sich ein besseres Bild von der Lage zu machen und die einheimischen Sicherheitskräfte zu unterstützen. Auch US-Kampfdrohnen sollen zur Aufklärung der Lage über Bagdad kreisen.

In Tikrit sollen die Isis-Kämpfer in der vergangenen Woche eine Massenexekutionen von irakischen Soldaten begangen haben. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass Isis-Kämpfer zwischen dem 11. und 14. Juni in Tikrit zwischen 160 und 190 Männer ermordet haben.

Angesichts der Eskalation des Konflikts im Irak unterstützt Deutschland das Rote Kreuz mit zwei Millionen Euro. Nach Angaben von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sollen damit vor allem Binnenflüchtlinge versorgt werden. Derzeit seien rund 1,2 Millionen Iraker im eigenen Land auf der Flucht. Hinzu kommen laut dem Auswärtigen Amt rund 225.000 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in den autonomen Kurdengebieten.