Wenige Tage nach dem Start ihrer Offensive sind die Kämpfer der radikal-sunnitischen Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) im Irak offenbar bis kurz vor Bagdad vorgerückt. Nach offiziellen Angaben brachten sie zwei Bezirke in der Provinz Dijala nordöstlich der Hauptstadt unter ihre Kontrolle.


Seit Montagabend hatten die Isis-Kämpfer zunächst die nördliche Millionenstadt Mossul und dann die gesamte Provinz Ninive sowie weitere Städte und Regionen erobert. Am Mittwoch wurden 49 Menschen aus dem türkischen Konsulat in Mossul entführt. Hunderttausende Menschen flohen aus den besetzten Gebieten.


Am Donnerstag okkupierten die Islamisten dann die Stadt Dhuluijah nördlich von Bagdad. Sie umgingen Samara, nachdem sie tags zuvor mit dem Versuch gescheitert waren, auch diese Stadt einzunehmen.

Angesichts des schnellen Vormarschs beriet US-Präsident Barack Obama mit seinem Team für nationale Sicherheit. Obama behalte sich eine militärische Reaktion vor, sagte eine Sprecherin. "Alle Optionen" würden geprüft. Ein Einsatz von US-Truppen am Boden sei aber ausgeschlossen, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter laut einem CNN-Bericht. 

Die USA ließen einen Luftwaffenstützpunkt im Irak vorübergehend räumen, wie der Sender Fox News berichtete. Nach Angaben der US-Regierung begannen auch einzelne amerikanische Unternehmen damit, Hunderte Mitarbeiter aus der Konfliktzone zu holen. Der Rüstungskonzern Lockheed Martin bestätigte, 25 Mitarbeiter aus der Balad-Region im Norden abgezogen zu haben. Sie hätten dort die Lieferung von 36 F-16-Kampfflugzeugen vorbereitet, die in diesem Jahr in den Irak gebracht werden sollen.

Der UN-Sicherheitsrat sagte der irakischen Regierung einmütig Unterstützung zu. Das höchste UN-Gremium mahnte zudem einen Dialog an, an dem alle politischen und religiösen Gruppen teilnehmen sollten. Konkretes beschloss der Sicherheitsrat nicht. Der derzeitige Ratspräsident, der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin griff die USA verbal an und gab ihnen die Schuld an der Situation.