Im irakischen Baidschi gibt es erbitterte Kämpfe zwischen den Islamisten der sunnitischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) und Einheiten der irakischen Armee. Seit Dienstagabend versuchen die Isis-Kämpfer, die größte Ölraffinerie des Landes einzunehmen. Die Regierung antwortet mit Luftangriffen. Augenzeugen berichten: "Die aufsteigenden Rauchsäulen sind noch 50 Kilometer weiter zu sehen."

Die Nachrichtenlage in Baidschi bleibt jedoch unübersichtlich: Die New York Times schreibt, Mitarbeiter der Raffinerie und ein geflüchteter irakischer Offizier hätten berichtet, dass die Islamisten die Kontrolle über das Areal der Raffinerie übernommen hätten. Das berichtet auch die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Sicherheitskreise aus Baidschi. Eine offizielle Bestätigung indes gibt es dafür nicht. Ministerpräsident Nuri al-Maliki meldete Erfolge einer Gegenoffensive, ohne dies zu konkretisieren.

In der Baidschi-Raffinerie wird etwas mehr als ein Viertel der gesamten Förderleistung des Iraks verarbeitet. Ihre Lieferungen sind für den inländischen Gebrauch bestimmt, für Dinge wie Benzin, Speiseöl und Brennstoff für Kraftwerke. Jeder längere Ausfall in Baidschi dürfte lange Warteschlangen an Tankstellen und Stromknappheit zur Folge haben, was das Chaos im Land noch verstärken könnte. Neben der wichtigen Raffinerie befindet sich in Baidschi auch ein Elektrizitätswerk, von dem aus die Hauptstadt mit Strom versorgt wird.

Isis haben Ziele in Syrien im Visier

Auf ihrem Vormarsch im Irak von Mossul Richtung Bagdad und Tikrit haben die Isis-Kämpfer in den vergangenen Tagen viel Geld und zahlreiche schwere Waffen erbeutet. Ausgerüstet mit Panzern und Humvee-Geländewagen rücken sie nach eigenen Angaben nun auch in das Nachbarland Syrien vor.

Dort haben sie den eigenen Angaben zufolge mehrere Dörfer in der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur eingenommen und rücken im Norden näher an die Stadt Aleppo heran. Auch Manbidsch kurz vor der türkischen Grenze sowie Dörfer um Homs wollen die Islamisten erobert haben. Anhänger verbreiteten am Mittwoch via Twitter, die Miliz sei vorgerückt bis in das Tal Dschidscha, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Aleppo.

Die Region um das Tal Dschidschan soll lange Zeit in Händen der islamistischen Nusra-Front gewesen sein. Isis kämpft im Norden und Osten Syriens gegen das Assad-Regime, vor allem jedoch auch gegen Islamistengruppen wie die Nusra-Front und andere syrische Rebellen. Fest unter Isis-Kontrolle ist bereits die Provinz Rakka östlich von Aleppo.   

Merkel sieht besondere Verantwortung der USA

Die Vereinten Nationen warnen vor einer Ausweitung des Konflikts zu einem Krieg in der gesamten Region. Die Bundesregierung fordert die USA zum Handeln auf: Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die USA hätten die Verpflichtung, den Vormarsch der Islamisten im Irak zu stoppen. "Natürlich haben die Amerikaner eine ganz besondere Verantwortung", sagte sie. Diese werde von Präsident Barack Obama auch bereits wahrgenommen. Jegliche militärische Hilfe aus Deutschland schloss Merkel aus: "Was Deutschland beitragen kann – jenseits jedes militärischen Engagements –, das ist sicherlich zu versuchen, den politischen Prozess mitzubegleiten."

Zuvor hatte Unionsfraktionschef Volker Kauder gesagt, die USA seien durch ihren damaligen Einmarsch im Irak verpflichtet, sich um die Entwicklung des Landes zu kümmern. Sie müssten auch ein erneutes militärisches Eingreifen in Erwägung ziehen. Hingegen sieht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Hauptverantwortung nicht bei den USA. Die Ministerin plädiert eher für eine regionale Lösung.

Die USA behalten sich eine Militäraktion im Irak vor, um den Vormarsch der Isis auf Bagdad zu stoppen. Die Regierung in Washington steuert bereits Geld, Waffen und Trainingsprogramme für das irakische Militär bei. Als eine weitere Option gelten nun Luftangriffe, Drohneneinsätze werden diskutiert. Der Einsatz von US-Bodentruppen wurde von Obama hingegen ausgeschlossen.