Angesichts des Vormarschs der radikal-islamischen Isis-Miliz im benachbarten Irak hat Jordanien den Grenzschutz verstärkt. Armee-Einheiten entlang der 181 Kilometer langen Grenze seien in Alarmbereitschaft versetzt worden, sagte ein Militärvertreter. Wie es aus Militärkreisen hieß, hatten Isis-Kämpfer zuvor den einzigen irakisch-jordanischen Grenzübergang eingenommen.  

Die sunnitische Extremistengruppe hatte am Wochenende ihre Kontrolle über den Nordwesten des Iraks gefestigt und drei weitere Städte in der Grenzprovinz Anbar eingenommen. Am Freitag hatte sie bereits einen Grenzübergang zu Syrien eingenommen.

Die USA bemühen sich unterdessen um einen gemeinsamen Krisenkurs mit Ländern in der Region. In Ägypten und Jordanien beriet US-Außenminister John Kerry über Wege, den Vormarsch der Islamistenmiliz zu stoppen, der den Irak ins schlimmste Chaos seit Jahren gestürzt hat. Am Montagmorgen landete er in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Dort will er sich für eine Versöhnung zwischen den irakischen Bevölkerungsgruppen einsetzen. Auch werde er darüber sprechen, wie die USA dem Irak im Kampf gegen Isis helfen könnten, sagte seine Sprecherin.

Im Anschluss wird Kerry nach Brüssel weiterreisen. Dort treffen sich am Dienstag und Mittwoch die Nato-Außenminister, um sich über die Situation im Irak auszutauschen. Die Nachrichtenagentur dpa hatte ursprünglich fälschlicherweise berichtet, Kerry würde am Montag zum EU-Außenministertreffen in Luxemburg reisen.  

EU fordert gemeinsame Regierung von Sunniten und Schiiten

Die EU-Vertreter planen Diplomatenkreisen zufolge, die Gewalt der Islamisten zu verurteilen. Außerdem wollen sie eine Regierung fordern, in der Sunniten und Schiiten gleichermaßen vertreten sind. Doch die 28 EU-Staaten sehen nur geringe Chancen, zu einer Lösung des Konfliktes beizutragen. "Unsere Möglichkeiten der Einflussnahme sind begrenzt", sagte ein Diplomat. 

Sunnitische Terrorgruppen wie Isis kämpfen gegen Schiiten, die sich ihrer Meinung nach nicht an die wahre Lehre des Islams halten. Die Feindschaft zwischen den beiden muslimischen Glaubensrichtungen hat im Irak eine lange Tradition. Ex-Diktator Saddam Hussein, ein Sunnit, hatte die schiitische Mehrheit im Land diskriminiert. Nach seinem Sturz 2003 verloren die sunnitischen Stämme Macht und Einfluss. Nach dem US-Abzug 2011 entbrannte der Machtkampf aufs Neue. Die von Schiiten dominierte Al-Maliki-Regierung hält Sunniten seit Jahren von wichtigen politischen Posten fern.