Jean-Claude Juncker ist zuversichtlich, dass er Mitte Juli zum nächsten Präsidenten der EU-Kommission gewählt wird. "Im Europäischen Rat unterstützt mich eine breite Mehrheit christdemokratischer und sozialistischer Staats- und Regierungschefs", sagte er der Bild am Sonntag.

In den kommenden Wochen sollten auch die übrigen Regierungschefs "mit an Bord" geholt werden, sagte er. Juncker forderte seine Unterstützer auf, sich bei ihrer Entscheidung nicht dem Druck einer Minderheit zu beugen: "Europa muss sich nicht erpressen lassen."

Die Regierungschefs aus Großbritannien, Ungarn, Schweden und den Niederlanden hatten zuletzt Bedenken gegen eine schnelle Festlegung auf Juncker geäußert. Die 28 Staats- und Regierungschefs der EU setzten den Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy als Vermittler ein, um mit dem Europaparlament und den Hauptstädten über die Nachfolge des bisherigen Kommissionschefs José Manuel Barroso aus Portugal zu verhandeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich nach tagelangem Zögern am Freitag klar für den Europawahl-Sieger als EU-Kommissionspräsidenten ausgesprochen.   

Großbritanniens Premierminister David Cameron hatte nach Informationen des Spiegel Merkel vor einer Wahl Junckers gewarnt. Sein Land könnte aus der EU austreten, sollte Juncker Kommissionspräsident werden. "Ein Gesicht der achtziger Jahre kann nicht die Probleme der nächsten fünf Jahre lösen", soll Cameron über den Luxemburger gesagt haben. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen befürchte Cameron eine Destabilisierung seiner konservativ-liberalen Regierung.