Die kolumbianische Regierung hat nach den Friedensgesprächen mit den Farc-Rebellen Anfang des Jahres auch Friedensverhandlungen mit der Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN) aufgenommen. In einer gemeinsamen Erklärung teilten beide Seiten mit, dass Gespräche über die Opfer des Konflikts und die gesellschaftliche Teilhabe der Rebellengruppe vereinbart wurden. "Über die anderen Themen muss noch Einigkeit erzielt werden", hieß es.

Monatelang wurden die Vorgespräche zu den Verhandlungen geheim gehalten. Der Mitteilung zufolge trafen sich die Unterhändler von Regierung und ELN bereits seit Januar. Dabei wurden Einzelheiten der Abmachungen besprochen, mit denen der Konflikt beendet und eine friedliche Lösung gefunden werden sollen. Allerdings hätten sich beide Seiten erst jetzt auf eine Agenda geeinigt, ein genauer Zeitplan wurde allerdings nicht genannt. Die Regierungen von Brasilien, Chile, Kuba, Ecuador, Norwegen und Venezuela sollen sich bereit erklärt haben, den Friedensprozess zu begleiten.  

Zur prokubanischen Organisation ELN gehören nach Schätzungen von Experten rund 2.000 Kämpfer. Die Farc, mit der die kolumbianische Regierung seit Ende 2012 Friedensgespräche in Havanna führt, zählt ungefähr 7.000 bewaffnete Männer und Frauen. Sowohl die Farc als auch die ELN kämpfen seit fünfzig Jahren gegen den kolumbianischen Staat. Der Konflikt hat bereits rund 220.000 Menschen das Leben gekostet. 

Die verstärkten Friedensbemühungen fallen in eine Zeit, in der Kolumbien über seine politische Zukunft entscheidet: Am Sonntag wird die Stichwahl für das Präsidentenamt zwischen dem jetzigen Staatschef Juan Manuel Santos und seinem Rivalen Óscar Iván Zuluaga ausgetragen.