Mehr als eine halbe Million Menschen sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf der Flucht aus der Region um die zweitgrößte irakische Stadt Mossul. Die Massenflucht aus der Stadt und dem Umland ist nach Einschätzung von IOM-Vertretern die Folge der Kämpfe zwischen radikalislamischen Aufständischen und Regierungstruppen sowie der Besetzung Mossuls durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis).

Es gebe eine "bedeutende Zahl an Opfern unter den Zivilisten", erklärte die IOM. Die vier großen Krankenhäuser der Stadt seien unerreichbar, weil sie in der Kampfzone lägen. Mehrere Moscheen seien zu Lazaretten umfunktioniert worden, um die Verletzten zu versorgen.

Die Dschihadisten kontrollierten Mossul inzwischen weitgehend, berichteten Augenzeugen. Kämpfer patrouillierten demnach durch die Straßen und forderten Behördenmitarbeiter über Lautsprecher auf, an die Arbeit zurückzukehren.

Ganze Provinz unter Kontrolle der Rebellen

Die Isis-Kämpfer hatten Mossul und mehrere weitere sunnitische Städte im Nordirak am Dienstag nach Kämpfen unter ihre Kontrolle gebracht. Der Regierung in Bagdad brachten sie mit der Eroberung der Stadt und der umliegenden Provinz Ninive eine schwere Niederlage.

Es ist das erste Mal, dass Rebellen im Irak eine ganze Provinz unter ihre Kontrolle bringen. Isis-Kämpfer halten seit Januar die Stadt Falludscha sowie andere Teile der Provinz Anbar im Süden von Ninive. Die überwiegend von Sunniten bewohnte Provinz Ninive ist seit Langem eine Hochburg von Aufständischen wie Isis.

Einwohner berichteten von Gewalt der Islamisten in Mossul. Der 30-jährige Ladenbesitzer Abu Ahmed sagte, er habe seit Donnerstag vergangener Woche "wegen der Sicherheitslage" sein Geschäft nicht mehr geöffnet. Der 25-jährige Student Bassam Mohammed äußerte sich besorgt über die bevorstehende Einschränkung von "Freiheiten" und den "Erlass neuer Gesetze".