Der Oberste Gerichtshof der USA will sich nicht in den Rechtsstreit über eine Aussage von James Risen einschalten. Ein untergeordnetes Gericht hatte entschieden, dass der Reporter der New York Times in einem Prozess eine seiner Quellen nennen muss. Risen weigerte sich und rief das Oberste Bundesgericht an, in der Sache zu entscheiden. Dieses Begehren wurde nun abgelehnt.

In seinem Buch State of War: The Secret History of the CIA and the Bush Administration schildert Risen auf Grundlage von geheimen Informationen ein Vorhaben der CIA, das zum Ziel hatte, das iranische Atomwaffenprogramm zu sabotieren. Demnach sah das unter dem Decknamen "Operation Merlin" laufende Projekt vor, den Iranern über einen russischen Wissenschaftler gefälschte Pläne für die Konzeption einer Atomwaffe unterzujubeln. Der unter Präsident Bill Clinton ausgearbeitete Plan wurde in der Regierungszeit von George W. Bush ausgeführt – und scheiterte daran, dass der Wissenschaftler die Fehlerhaftigkeit der Baupläne gegenüber den Iranern kenntlich machte.

Die Quelle zu diesen Informationen soll Risen vom CIA-Analysten Jeffrey Sterling erhalten haben. Gegen Sterling läuft deswegen ein Prozess wegen Geheimnisverrats, in dem Risen nach einer richterlichen Anordnung aus dem vergangenen Sommer aussagen soll. Sollte es dazu kommen, wäre Risen wohl gezwungen, die Quelle für seine Enthüllungen zu nennen. Um dies zu verhindern, hat Risen die Aussage bisher verweigert.

Unterstützt von unterschiedlichen US-Medien hatte Risen im Anschluss an das Urteil den Obersten Gerichtshof angerufen, in der Sache zu intervenieren. Nachdem sich die Richter nicht zuständig sieht, steht der Reporter nach Stand der Dinge vor der Wahl: Entweder er sagt aus, oder er geht ins Gefängnis.

Bisher hat Risen immer gesagt, dass er sich im Falle des Falls für das Gefängnis entscheiden werde.