US-Präsident Barack Obama schließt im Kampf gegen die vorrückenden Islamisten im Irak ein militärisches Eingreifen der USA nicht aus. "Unser Team für die nationale Sicherheit prüft alle Optionen", sagte Obama in Washington. "Ich schließe nichts aus." Der Irak benötige "mehr Hilfe von uns und von der internationalen Gemeinschaft". "Wir müssen sicherstellen, dass diese Dschihadisten nicht permanent im Irak oder in Syrien Fuß fassen."

Der Irak soll bei den USA bereits wiederholt militärische Hilfe im Kampf gegen die Islamisten angefragt haben. Das berichtet unter anderem die New York Times und beruft sich dabei auf mehrere Mitarbeiter aus dem Umfeld der Obama-Administration. So soll der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki die US-Regierung seit Mai mehrfach heimlich gebeten haben, Luftangriffe auf sunnitische Extremisten zu fliegen, bisher lehnte das die US-Regierung ab. Angesichts der jüngsten Geländegewinne der Dschihadisten könnte Obamas Regierung ihre Haltung aber ändern.

Die Republikaner forderten Obama im US-Kongress bereits zu einem entschiedenen Durchgreifen im Irak auf und kritisierten seine bisherige Zurückhaltung. Senator John McCain warf dem Präsidenten "kolossales Scheitern von amerikanischer Sicherheitspolitik" vor und verlangte "drastische Maßnahmen", um den Vormarsch der Dschihadisten zu stoppen. 

Einsatz von Kampfdrohnen gefordert

Sein Senatskollege Lindsey Graham machte sich offen für Drohneneinsätze stark. "Ich glaube, dass amerikanische Luftangriffe die einzige Hoffnung sind, das Kräfteverhältnis auf dem Schlachtfeld im Irak zu ändern", sagte Graham. "Die irakische Armee liegt in Trümmern. Ohne irgendeine Art der Intervention ist Bagdad definitiv in Gefahr." 

Die USA unterstützen den Irak bisher mit 14 Milliarden US-Dollar und zusätzlicher militärischer Ausstattung – darunter Kampfjets, Helikopter und Waffen. Zudem haben das US-Militär und irakische Soldaten in dieser Woche ein gemeinsames Anti-Terror-Training in Jordanien begonnen. Bis Ende des Jahres sind weitere Jet- und Helikopterlieferungen an die irakische Armee geplant, der bis dato eine durchschlagkräftige Luftwaffe fehlt.

Großbritannien und die Nato schlossen ein militärisches Engagement im Irak hingegen aus. Allerdings soll ein humanitärer Einsatz geprüft werden.

Zweieinhalb Jahre nach dem Abzug der US-Truppen hatten Kämpfer der Organisation Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) Anfang der Woche eine Offensive gestartet. Sie eroberten die nordirakische Millionenstadt Mossul und dann die gesamte Provinz Ninive sowie Teile der Provinz Kirkuk. Am Mittwoch wurden 49 Menschen aus dem türkischen Konsulat in Mossul entführt, unter ihnen der Konsul, Angestellte, Spezialkräfte und Kinder. Am Donnerstag rückten Isis-Kämpfer bis auf 90 Kilometer auf die Hauptstadt Bagdad vor.