Russland hat der Nato eine "kritiklose" Unterstützung der ukrainischen Regierung vorgeworfen. Die Außenminister der 28 Mitgliedsstaaten hätten in Brüssel erneut die vielen zivilen Opfer der "Anti-Terror-Operation" der Armee in der Ostukraine verschwiegen, beklagte Russlands Nato-Botschafter Alexander Gruschko im Gespräch mit der Agentur Interfax. Stattdessen beschuldige die Nato immer wieder grundlos Russland, die Separatisten zu unterstützen.  

Die Nato hatte wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim die bis dahin partnerschaftliche Beziehung zu Russland ausgesetzt. Gruschko kündigte nun Konsequenzen an: "Das Einfrieren der Beziehungen zu Russland bringt für die Nato viele Nachteile bei der internationalen Sicherheit mit sich", sagte Gruschko: "Moskau wird sich für Projekte andere Partner suchen."  

Die Führung des Kremls verlangte, die am Freitag auslaufende Waffenruhe im Nachbarland zu verlängern. Die Zeit für Verhandlungen zwischen der Führung in Kiew und den Separatisten im Osten der Ukraine sei offenbar noch nicht reif, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Deshalb gehe es nun darum, die Feuerpause zu verlängern. "Die Konfliktparteien sollten auf einen entsprechenden Aufruf von Präsident Wladimir Putin hören", sagte Peskow.  

Die knapp einwöchige Waffenruhe ist äußerst brüchig. Beim Abschuss eines Militärhubschraubers waren am Dienstag nach Armeeangaben neun Soldaten getötet worden. Laut der ukrainischen Führung gab es zudem Gefechte im Osten des Landes, zehn Soldaten erlitten Verletzungen. 

Die Nato verlangte von Russland, die Waffenlieferungen an die Separatisten in der Ostukraine zu stoppen. Die russische Regierung solle aktiv dabei helfen, den Friedensplan des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko umzusetzen, forderten die Außenminister des Bündnisses. Die USA verlängerten die Liste der Sanktionen gegen Russland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Präsidenten Putin, Poroschenko und François Hollande (Frankreich) sprachen sich am Abend für eine Ausweitung der OSZE-Mission im Osten der Ukraine aus. Die Organisation soll künftig an der Kontrolle des Waffenstillstands und der Grenzen mitwirken. Aus Deutschland gibt es dafür den Vorschlag, eine Clearing-Stelle unter dem Dach der OSZE einzurichten, die bei Grenzstreitigkeiten vermitteln soll.