Rund eine Woche nach Beginn des Vormarschs der Terroristengruppe Isis hat der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ranghohe Militärs von ihren Aufgaben entbunden. Wie die Nachrichtenagentur Nina meldet, beschuldigt al-Maliki die Soldaten der Pflichtverletzung. Sie hätten versagt und ihre Stellungen verlassen, heißt es.  

Zu den betroffenen Kommandeuren zählt auch der für die Region Ninive verantwortliche Generalleutnant Mahdi Al-Gharrawi. In Ninive liegt die Millionenmetropole Mossul, die die Extremisten eingenommen haben. Die Streitkräfte hatten der Offensive zunächst kaum Widerstand entgegengebracht und waren in Scharen desertiert. Einer der Kommandeure werde deswegen vor ein Kriegsgericht gestellt werden, ordnete al-Maliki an.

Trotz der Erfolge der Terroristen will die amerikanische Regierung zunächst keine Luftangriffe gegen die vorrückenden Kämpfer fliegen, meldete die Nachrichtenagentur AP und berief sich dabei auf Regierungskreise. Allerdings sei noch keine endgültige Entscheidung gefallen, hieß es. Innerhalb der Regierung herrscht offenbar Skepsis darüber, ob Luftschläge gegen die kleinen und wendigen Truppen der Terroristen überhaupt wirksam wären.

Religiöse Führer rufen zur nationalen Einigkeit auf

Im Irak riefen hochrangige Vertreter rivalisierender Glaubensrichtungen zur Einheit des Landes auf. Nach einem geheimen Treffen forderten Schiiten, Sunniten und Kurden gemeinsam den Schutz von Souveränität und Würde des irakischen Staates. Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen müssten beigelegt werden, sagte der ehemalige Ministerpräsident Ibrahim al-Dschafaari. Beteiligt waren auch der ehemalige Präsident des unlängst aufgelösten Parlaments, der Sunnit Osama al-Nudschaifi, und der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki.

Kurz zuvor war Maliki von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zum Dialog mit den Sunniten aufgerufen worden. Die sunnitische Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) hat in der vergangenen Woche große Teile des Nordiraks erobert. Nun will Isis das Gebiet mit dem von ihr kontrollierten Territorium in Syrien verbinden. Ziel ist es, einen Kalifat-Staat zu gründen.

Im Kern handelt es sich bei der aktuellen Krise im Irak auch um eine Zuspitzung des seit Jahren schwelenden Konflikts zwischen den beiden im Irak vertretenen Islam-Richtungen. Bis zum Sturz von Ex-Machthaber Saddam Hussein durch die USA vor gut elf Jahren hatte die Minderheit der Sunniten das Sagen. Der schiitischen Regierung Malikis wird vorgeworfen, sie nun zu benachteiligen.