Die überraschende Abdankung von König Juan Carlos ist für die spanische Monarchie durchaus mit Risiko behaftet. Der seit Jahren gewachsene Unmut der Spanier gegenüber ihrem Königshaus könnte sich nun entladen. Auf Twitter und auf Facebook waren am Montag Aufrufe zu Protestkundgebungen im ganzen Land zu lesen. Die Spanier sollten am Montagabend um 20 Uhr auf den Hauptplätzen ihrer Städte zusammenkommen, um für die Abschaffung des Königshauses und die Einführung einer republikanischen Staatsform zu demonstrieren, dafür warb unter anderem die linkskommunistische Oppositionspartei Izquierda Unida (IU). So seien in Madrid, Valencia und Malaga Kundgebungen geplant. Auch in Berlin lebende Spanier riefen zu einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor auf.

Der vor allem bei jungen Spaniern beliebte linke Parlamentsabgeordnete der IU, Alberto Garzón, hat gerade ein Buch veröffentlicht, in dem er eine "dritte Republik" für Spanien fordert. Die zweite Spanische Republik endete 1939 mit dem Aufstieg des späteren Diktators Franco. Nach dessen Tod erlangte das Königreich wieder Ansehen, Juan Carlos führte das Land in den achtziger Jahren in die Demokratie – allerdings mit königlichem Überbau.

Auf Twitter etablierte sich nur Stunden nach Carlos' Abdankung am Montag der Hashtag #IIIrepublica, unter dem zu den Kundgebungen eingeladen wurde. Garzón selbst betonte, die Demonstrationen am Abend sollten überparteilich sein. 

Schnell schlossen sich weitere spanische Oppositionsparteien der Forderung der Linkskommunisten an: Die Abdankung Juan Carlos' solle zum Anlass für eine Volksabstimmung über die Etablierung der "dritten Republik" und die Abschaffung der Monarchie genommen werden, forderte auch die neue spanische Partei Podemos, die sich aus den Massenprotesten gegen die Krisenpolitik der spanischen Konservativen gegründet hatte. "Wir sind keine Untertanen, sondern Bürger. Wir haben das Wort", twitterte die seit Frühjahr 2014 bestehende Partei, die bei der Europawahl knapp acht Prozent der Stimmen und fünf Mandate errungen hat. Auch die spanischen Grünen forderten ein Referendum über eine Verfassungsänderung. Die aktuell gültige spanische Verfassung stammt aus dem Jahr 1979, sie legt fest, dass das Land eine parlamentarische Monarchie ist. In Spanien sind die kleinen Oppositionsparteien im Aufwind, bei der Europawahl kamen sie gemeinsam auf rund zwanzig Prozent der Stimmen.

Seit Jahren sinkt die Unterstützung für die Monarchie

Die größte spanische Oppositionspartei PSOE hält hingegen weiter an dem Königshaus fest. Viele Spanier zeigten sich auf Twitter und Facebook pikiert darüber, dass die Sozialisten und die regierenden Konservativen (PP) die Abdankung von König Juan Carlos hin zu seinem Sohn Felipe einfach so abnicken wollen. Dafür muss sogar ein Gesetz geändert werden, auch die größte Oppositionspartei will diesen Prozess unterstützen.

"Sie werden uns nicht selbst wählen lassen. Sie wollen nur, dass wir bezahlen und geprügelt werden", hieß es auf einer Facebook-Seite von Monarchie-Gegnern. "Die Eliten von PP und PSOE haben Angst vor dem Bürgerwillen", schrieb der frischgewählte Europaabgeordnete der Protest-Partei Podemos, Pablo Iglesias, auf Twitter.  

Die Jugendorganisation der oppositionellen Sozialisten forderte immerhin eine "Verfassungsreform", auch von Vertretern der Mutterpartei war vorsichtige Kritik an der Parteiführung zu vernehmen. Politische Beobachter gehen aber nicht davon aus, dass sich die PSOE den Protestaufrufen anschließen wird.