Nach der überraschenden Abdankung von König Juan Carlos sind Tausende Spanier in mehr als 20 Städten zu antimonarchistischen Kundgebungen zusammengekommen. "Morgen wird Spanien eine Republik!", rief die Menge an der Puerta del Sol in Madrid. "Keine Könige mehr, ein Referendum!", stand auf zahlreichen Plakaten. Aus Sorge vor Ausschreitungen riegelte die Polizei am späten Abend den Zugang zum Königspalast ab.

Juan Carlos hatte am Morgen nach 39 Jahren seine Abdankung erklärt. Die Regierung muss nun den Übergang der spanischen Krone auf den 46-jährigen Kronprinzen Felipe einleiten – gegen Widerstand. Denn die Vereinte Linke sowie mehrere Parteien in Katalonien und im Baskenland verlangten ein Referendum über die Monarchie und riefen zu spontanen Protesten auf.

Allein in Madrid folgten nach ersten Angaben der Polizei Tausende Monarchiegegner dem Aufruf. In Barcelona wurde die Zahl der Demonstranten mit etwa 3.000 beziffert. In der Hauptstadt schwenkten die Demonstranten Flaggen der zweiten, 1931 ausgerufenen Republik in den Farben Rot, Gold und Violett.

Das Ansehen von Juan Carlos hatte zuletzt gelitten. Ein Jagdausflug ins afrikanische Botswana empörte 2012 die Spanier, die mitten in einer großen Wirtschaftskrise steckten. Zudem erschütterte eine Korruptionsaffäre den Palast: Königstochter Cristina steht im Verdacht, in einen Finanzskandal um ihren Ehemann Iñaki Urdangarín verwickelt zu sein. In Umfragen sank zuletzt die Zustimmung für den König.