An einer Stabilisierung des Iraks wird sich Deutschland nach Aussage von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) allenfalls in geringem Umfang beteiligen. "Wir sollten den möglichen deutschen Beitrag nicht überschätzen", sagte er der Zeitung Welt am Sonntag. "Ich kann mir keine Konstellation vorstellen, in der deutsche Soldaten dort zum Einsatz kommen."

Er rief die Staaten in der Region dazu auf, Verantwortung zu übernehmen, und nannte ausdrücklich auch den Iran. "Wir müssen verhindern, dass jetzt auch noch auf irakischem Boden ein Stellvertreterkrieg der regionalen Mächte ausbricht", sagte Steinmeier. "Alle Nachbarn – Saudi-Arabien, die Golfstaaten, die Türkei, übrigens auch der Iran – können kein Interesse daran haben, dass sich jenseits Syriens in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein riesiger herrschaftsloser Raum entwickelt, der zum Tummelplatz für Söldnergruppen, Islamisten jedweder Couleur und Terroristen wird."

Der irakischen Regierung warf der Außenminister schwere Versäumnisse vor. "Die internationale Hilfe ist nicht ausreichend zur Herstellung politischer und wirtschaftlicher Stabilität eingesetzt worden." Deutschland habe in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 400 Millionen Euro bereitgestellt, andere Länder noch mehr.

Der Iran warnte explizit vor einer ausländischen Militärintervention gegen die Aufständischen im Irak. Dies würde die Krise nur komplizierter machen, sagte Teherans Außenamtssprecher Marsieh Afcham laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Isna. Ein ausländisches Eingreifen sei weder im Interesse des Landes noch der Region. "Die Bevölkerung und die Regierung des Iraks werden in der Lage sein, diese Verschwörung zu stoppen", sagte Afcham.

Flugzeugträger in Persischen Golf verlegt

Ein militärisches Eingreifen vonseiten der USA scheint derweil immer wahrscheinlicher. Der Flugzeugträger USS George H.W. Bush ist in die Region verlegt worden. Das Schiff sei bisher im Arabischen Meer stationiert gewesen und solle am Sonntag den Persischen Golf erreichen, wie das Pentagon in Washington mitteilte. Begleitet werde das Schiff von einem mit Raketen bestückten Kreuzer und einem Zerstörer.

Damit solle Präsident Barack Obama zusätzliche Flexibilität gegeben werden, "sollten militärische Optionen nötig werden, um das Leben von Amerikanern, Bürgern und Interessen im Irak zu schützen". Obama hatte zuvor eine Rückkehr von US-Kampftruppen in den Irak ausgeschlossen, ein militärisches Eingreifen aber erwogen

Die Unterstützung der Vereinigten Staaten könne aber nur dann erfolgreich sein, wenn die Anführer der verschiedenen Gruppen im Irak ihre Differenzen überwinden, sagte US-Außenminister John Kerry in einem Telefonat mit seinem irakischen Kollegen Hoschjar Sebari. Zugleich forderte er mehr Anstrengungen zur Einigung des Landes. Dies sei unbedingt notwendig, um die Bedrohung durch die Extremisten-Gruppe abzuwehren.

Die extremistische Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) kämpft in den beiden Ländern für die Errichtung eines Kalifats. In beiden Staaten hat sie in jüngster Zeit Siege errungen. In der vergangenen Woche eroberte sie in einer Blitzoffensive im Nordirak Mossul, die zweitgrößte Stadt des Landes, und rückte bis auf eine Autostunde an Bagdad heran.