Syrien hat nach Angaben der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sein gesamtes deklariertes Giftgasarsenal an die Inspektoren übergeben. Dies teilte die OPCW in Den Haag mit. Ein dänischer Frachter mit den C-Waffen an Bord habe den Hafen von Latakia am Nachmittag verlassen, sagte der Chef der Organisation, Ahmet Üzümcü. 

Die letzte Ladung habe etwa acht Prozent der deklarierten Waffen-Bestände entsprochen. Die übrigen 92 Prozent wurden bereits zuvor außer Landes geschafft. "Wir haben heute einen wichtigen Punkt erreicht", sagte Üzümcü. Von dem dänischen Frachter werden die Waffen nach Italien gebracht und dort zur vollständigen Zerstörung auf das US-Kriegsschiff Cape Ray verladen.

Unklar ist allerdings, ob Syrien auch sein gesamtes Arsenal deklariert hatte. Die Angaben von Syrien entsprächen den Schätzungen von Experten, sagte Üzümcü. Das syrische Außenministerium sagte, Syrien habe trotz schwieriger Sicherheitsbedingungen im Bürgerkrieg alle seine Chemiewaffen eliminiert. Syrien habe damit bewiesen, dass es sich an seine internationalen Verpflichtungen halte.

Experten der OPCW hatten von Hinweisen auf "systematische Angriffe mit Chlorgas" in Syrien gesprochen. Welche Seite die Chemikalien eingesetzt haben soll ist nicht klar. Chlorgas wird aber vor allem zu zivilen Zwecken genutzt und gilt nicht als chemischer Kampfstoff. Der Einsatz als Waffe ist jedoch nach der Chemiewaffen-Konvention verboten.

Die gefährlichsten Bestandteile des chemischen Waffenarsenals sollten laut dem internationalen Abkommen vom vergangenen Herbst schon bis Ende 2013 zum Abtransport in den syrischen Hafen Latakia gebracht werden. Doch wegen der Kämpfe in dem Bürgerkriegsland hatte es immer wieder Verzögerungen gegeben. Zuletzt galt der 30. Juni als Stichtag für den Abschluss der Verschiffung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte Ende Mai noch in einem Brief an den Weltsicherheitsrat gewarnt, dass Syrien seine Chemiewaffen nicht bis zur Frist am 30. Juni zerstören werde. 

Syriens Machthaber Baschar al-Assad hatte im vergangenen Jahr auf internationalen Druck hin zugestimmt, das gesamte C-Waffen-Arsenal seines Landes aufzugeben. Anlass war ein Angriff mit Nervengas in der Nähe von Damaskus, bei dem Hunderte Menschen getötet wurden. Die USA hatten daraufhin mit einem Militärschlag gedroht, Assad lenkte auf Druck Russlands ein und stimmte der Vernichtung seiner Chemiewaffen zu.

In Syrien herrscht seit März 2011 Bürgerkrieg. Nach Angaben der UN wurden mehr als 160.000 Menschen getötet.