Ein Berater des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat deutschen Medien gedroht. "Organische Verbindungen" eines Teils der deutschen Medien mit der Türkei müssten untersucht werden, schrieb Erdoğan-Berater Yigit Bulut in einer Kolumne für die regierungsfreundliche Zeitung Star. Die deutschen Medien würden "erfahren, dass sich niemand herausnehmen darf, den türkischen Staat, die Regierung, den Ministerpräsidenten so schamlos zu attackieren".


Konkrete Beispiele nannte Bulut nicht. Die türkische Regierung hatte sich in jüngster Zeit vor allem über die Bild-Zeitung und den Spiegel geärgert. Die Bild-Zeitung hatte Ende Mai Regierungsanhänger in der Türkei gegen sich aufgebracht, weil sie vor dem Besuch Erdoğans in Köln einen offenen Brief in türkischer Sprache an den Ministerpräsidenten veröffentlicht hatte. In diesem wurde klar gemacht, dass er in Deutschland nicht willkommen sei.

Buluts Verweis auf "organische Verbindungen" zwischen deutschen und türkischen Medien ist eine Anspielung auf die Kooperation zwischen dem Axel-Springer-Verlag, der die Bild-Zeitung herausgibt, und dem türkischen Medienkonzern Dogan, der eine relativ regierungskritische Linie fährt.

Das in der Türkei vorherrschende Verständnis von der Unabhängigkeit der Medien zeigte sich auch an einem anderen Fall: Der Türkei-Korrespondent des Spiegel hatte Morddrohungen erhalten, nachdem das Portal in der Überschrift eines Berichts über das Grubenunglück von Soma einen Bergmann mit den Worten zitierte, Erdoğan solle sich zum Teufel scheren.

Die Erdoğan-treue türkische Tageszeitung Takvim hatte am Samstag auf der Titelseite eine Liste mit ihrer Auffassung nach regierungsfeindlichen ausländischen Medien veröffentlicht. Darauf standen Bild und Spiegel, aber auch der US-Fernsehsender CNN. Kurz darauf hatte die Polizei den CNN-Reporter Ivan Watson vorübergehend festgenommen. In diesen Tagen waren wieder viele Türken auf die Straßen gegangen, weil sich der Protest gegen ein Bauprojekt im Gezi-Park von Istanbul jährte. Mit diesem Projekt hatte Erdoğan Hunderttausende gegen sich aufgebracht; monatelange, teils in Gewalt ausgeartete Protestkundgebungen und -demonstrationen waren die Folge.

Erdoğan hatte sich vor Tagen von seinem Berater Yusuf Yerkel getrennt. Der hatte nach dem Grubenunglück in Soma einen am Boden liegenden Demonstranten getreten.