Zwei Wochen nach der umstrittenen Kölner Rede des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat Oppositionsführer Kemal Kiliçdaroğlu in Essen um die Gunst der Wähler geworben. Vor 4.500 Anhängern kritisierte er Erdoğan wegen des Grubenunglücks von Soma. "Wir führen die Liste der Arbeitsunfälle in Europa an, stehen an dritter Stelle der Welt. Wir wollen ein Land, in dem alle satt werden, ohne zu sterben", sagte der Chef der größten Oppositionspartei CHP. Bei dem Unglück waren im Mai 301 Menschen gestorben.

Zugleich verlangte Kiliçdaroğlu Freiheit für Medien und Wissenschaft in der Türkei. "Die Wissenschaft ist unter Beschuss durch dunkle religiöse Kräfte geraten", sagte Oppositionsführer. Mit Blick auf das Präsidentenamt sagte der Kiliçdaroğlu, ein Kandidat müsse offen sein und auch von anderen Nationen akzeptiert werden. "Ein Präsident darf nicht spalten, sondern muss Zusammenhalt erzeugen."

Die Präsidentschaftswahl wird am 10. August abgehalten. Erstmals wird der neue Präsident per Direktwahl bestimmt. Dabei können auch Türken im Ausland ihre Stimme abgeben. In Deutschland sind dazu knapp 1,5 Millionen Menschen aufgerufen. Während Kiliçdaroğlu nicht antritt, erwägt Erdoğan, für seine Partei, die AKP, zu kandidieren.