Die Angst der ukrainischen Regierung vor einem Kontrollverlust in der Ostukraine wächst von Tag zu Tag.

Am Mittwoch hatten prorussische Aufständische die drei Grenzposten im ostukrainischen Luhansk, Tscherwonopartysansk, Doljanski und Tscherwona Mogyla erobert. Seitdem scheint die Lage in der Region explosiver denn je. 

Der ukrainische Grenzschutz ließ zwar verlauten, man habe die drei Grenzübergänge mittlerweile geräumt und vorübergehend geschlossen. In der Region gebe es aber eine "Konzentration einer großen Zahl von Terroristen". Die Grenzschützer seien "permanentem Beschuss" ausgesetzt. Die ukrainische Handelskammer schloss die Grenzposten Dolschanski und Tscherwonopartisansk "wegen des Mangels an Wachpersonal". 

130 Kilometer unbewachte Grenze

Die Grenze zu Russland wird zunehmend durchlässig und prorussische Kämpfer stehen bereit, glaubt man den Angaben und Berichten, die aus der Krisenregion kommen. So schreibt etwa der ukrainische Ex-Innenminister Juri Luzenko auf Facebook, 130 Kilometer entlang der Grenze seien unbewacht. Auch berichtet er vom Grenzübertritt von 15 Lastwagen mit Bewaffneten aus Russland

Führende ukrainische Offiziere behaupteten einem Bericht des Deutschlandfunk zufolge, rund 300 Kämpfer der sogenannten Selbstverteidigungskräfte stünden auf der Halbinsel Krim bereit, um im Süden der ostukrainischen Donbass-Region die Kämpfe der Separatisten  zu unterstützen. Außerdem würden im südöstlichen Grenzverlauf auf russischer Seite etwa 50 Lkw mit Söldnern auf einen Einsatzbefehl warten.

Der ukrainische Geheimdienst behauptet, dass im ostukrainischen Donbass-Gebiet russische Kosaken auf Seiten der Separatisten kämpfen würden. Es gebe Hinweise, dass sie für die Entführung der OSZE-Mitarbeiter verantwortlich seien. Der Leiter der ukrainischen Grenzbehörden, Nikola Litwin, warnte zudem, die Separatisten hätten Hilfe von paramilitärischen Einheiten auf der Krim und in Russland angefordert.

All diese Angaben sind bislang unbestätigt. Erweisen sie sich als wahr, könnte ein Sieg der Separatisten gegen die Regierungstruppen in greifbare Nähe rücken. Denn ein durchlässiger Übergang zu Russland hieße, dass die Milizen nun ungehindert Zugang zu Waffen und Söldnern aus den russischen Gebieten haben.