Der Chef des russischen Sicherheitsrats, Nikolai Patruschew, hat von Ukraine verlangt, den Militäreinsatz im Osten des Landes zu beenden. Die Regierung in Kiew müsse aufhören, "in vollem Umfang die Armee einzusetzen", sagte Patruschew dem Staatssender Rossija 24. Er warf der ukrainischen Führung vor, das eigene Volk zu vernichten.

Auch die Chefin des russischen Föderationsrates, Valentina Matwijenko, forderte, den Militäreinsatz gegen Separatisten zu stoppen. Nur so werde ein Dialog in den ostukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk möglich. "Eine militärische Lösung des Konflikts im Südosten der Ukraine gibt es nicht und kann es nicht geben", sagte Matwijenko.

"Sobald in Kiew das Kommando gegeben wird, das Feuer einzustellen und die Strafaktion gegen die friedlichen Bürger im Südosten zu beenden, ist Russland bereit, alles dafür zu tun, damit auch die andere Seite ihre Waffen niederlegt und sich an den Verhandlungstisch setzt", sagte Matwijenko.

Putin verstärkt Grenzschutz

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte die ukrainische Regierung davor, unverhältnismäßig gegen prorussische Separatisten vorzugehen. Es sei derzeit "klug, beim Einsatz militärischer Mittel vorsichtig und mit Augenmaß vorzugehen", sagte Steinmeier dem Tagesspiegel. Er forderte Russland zudem auf, sich daran zu beteiligen, die Ukraine zu stabilisieren. 

Beide Seiten müssten die gemeinsame Grenze sichern, um so zu verhindern, dass weiter Waffen und Kämpfer aus Russland in die Ostukraine gelangen. Es sei "ganz wichtig, dass Moskau öffentlich die territoriale Einheit der Ukraine stützt und alle Bestrebungen zur Abtrennung ablehnt". Russlands Verhalten in dem Konflikt habe sich spürbar geändert, sagte Steinmeier.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Samstag verschärfte Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zur Ukraine angekündigt. Der für den Grenzschutz zuständige Inlandsgeheimdienst FSB solle illegale Grenzübertritte ausschließen, meldete die Agentur Interfax.

Keine Mehrheit für EU-Beitritt der Ukraine

Zuvor war Petro Poroschenko als ukrainischer Präsident vereidigt worden. In seiner Antrittsrede kündigte er an, eine enge Partnerschaft mit der EU und den USA anzustreben. "Es ist die Zeit gekommen, eine neue und moderne Ukraine zu errichten", sagte Poroschenko. Die von Russland annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim sei weiter Teil der Ukraine. "Russland okkupierte die Krim, die ukrainisch war, ist und sein wird", sagte Poroschenko. 

An Poroschenkos Vereidigung hatte auch der französische Außenminister Laurent Fabius teilgenommen. Der sagte nach der Amtseinführung, es sei klar, dass es für einen EU-Beitritt der Ukraine keine Mehrheit gebe. Er sei davon überzeugt, dass die Ukraine gute Beziehungen sowohl zur EU als auch zu Russland pflegen sollte.