Die am Freitag verlängerte Waffenruhe in der Ostukraine ist brüchig. Sowohl die ukrainische Regierung als auch die prorussischen Separatisten berichten von andauernden Kämpfen in der Region Donezk.

Nahe der Stadt Slowjansk sind einem Militärsprecher zufolge drei Soldaten der ukrainischen Streitkräfte ums Leben gekommen. Die Rebellen hätten dort einen Militärposten unter anderem mit Granaten attackiert, sagte der Sprecher der Agentur Interfax. Es habe zudem einen Verletzten gegeben.

Auch der Separatistenführer Miroslaw Rudenko berichtet Interfax von fortdauernden Kämpfen. "In Kramatorsk gehen die Militäraktionen weiter." Er kritisierte, dass die von Präsident Petro Poroschenko bis Montagabend verlängerte Waffenruhe nur das Ziel habe, das Militär für einen Schlag gegen die Separatisten in Stellung zu bringen. Die Regierung warf den Separatisten ihrerseits vor, Soldaten auf dem Flughafen von Kramatorsk beschossen zu haben.  

Am Freitagabend hatten Rebellen einen Stützpunkt des ukrainischen Innenministeriums mitsamt einer Munitionsfabrik am Stadtrand von Donezk eingenommen. Die dort stationierten rund hundert Soldaten wurden von den Separatisten vor die Wahl gestellt, Russland die Treue zu schwören oder den Stützpunkt zu räumen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Russland meldete den Einschlag von drei Granaten der ukrainischen Armee im Grenzgebiet. Dabei sei eine russische Zollstation nahe der Grenzstadt Gukowo schwer beschädigt worden.

Die Separatisten verlangen für den Beginn eines Friedensdialogs den Abzug aller Regierungstruppen aus der Ostukraine. Sie lehnen es deshalb bisher ab, die Waffen niederzulegen.

Lawrow sieht Schuld bei USA

Die seit 20. Juni geltende Feuerpause soll nach Regierungsangaben dazu genutzt werden, Poroschenkos Friedensplan umzusetzen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow lobte im Staatsfernsehen die Friedensbemühungen des ukrainischen Staatschefs. Allerdings gäbe es in der Regierung auch andere einflussreiche Kräfte, die nicht auf Poroschenko hören würden. Und auch die USA würden "die ukrainische Führung auf den Weg der Konfrontation bringen", sagte Lawrow.

Parallel zur Waffenruhe endet am Montag auch eine Frist der europäischen Staats- und Regierungschefs. Bis dahin soll die Regierung in Moskau zeigen, dass sie es mit der Entspannung der Lage in der Ostukraine ernst meint. Dazu müsse es unter anderem "substanzielle Verhandlungen" über den Friedensplan des ukrainischen Präsidenten Poroschenko geben, hieß es in einer Erklärung. Anderenfalls werde die EU weitere Sanktionen gegen Russland beschließen.