Im Osten der Ukraine ist ein Militärhubschrauber von Rebellen abgeschossen worden. Das teilten ein Armee-Sprecher in Kiew sowie die Aufständischen selbst mit. Alle neun Insassen sollen nach Armeeangaben tot sein. Der Hubschrauber sei zum Transport militärischer Güter genutzt worden. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der von Separatisten kontrollierten Stadt Slowjansk.

Die Aufständischen aus Donezk bestätigten, die sogenannte Volkswehr habe die Maschine vom Typ Mil-8 mit einer Rakete angegriffen. Der Separatistenanführer Alexander Borodaj warf der Regierung vor, sich nicht an die Waffenruhe zu halten. "Kiew hat den Krieg nicht eingestellt. Auch auf unserer Seite gibt es Tote und Verletzte", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko drohte den Separatisten umgehend mit einer Aufhebung der Waffenruhe. Er schließe einen Abbruch der Feuerpause nicht aus, sagte der Staatschef bei einem Treffen mit Offizieren in Kiew.

Der Zwischenfall überschattet die Zeichen der Entspannung, die es am Dienstag gegeben hatte. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte angekündigt, die Erlaubnis für einen Militäreinsatz gegen die Ukraine rückgängig zu machen. Putin bat das Parlament, die Resolution vom 1. März zur Genehmigung militärischer Gewalt gegen die Ukraine zu streichen. Das teilte sein Sprecher Dmitri Peskow mit.

Putin sprach sich auch für eine Verlängerung der einwöchigen Waffenruhe in der Ostukraine aus. Gleichzeitig sollten dort Gespräche mit den Separatisten geführt werden, sagte der russische Staatschef. Zuvor hatte bereits die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gefordert, der Waffenstillstand solle länger andauern. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko nannte Putins Ankündigung einen "praktischen Schritt" hin zum Frieden in der Ostukraine. 

Die Lage in den umkämpften Gebieten schien seit Montag ruhig. Die von Poroschenko ausgerufene einwöchige Waffenruhe hatten seitdem auch die prorussischen Separatisten befolgt. Der Rebellenführer der selbstproklamierten Volksrepublik Donezk, Alexander Borodai, hatte sich am Montagabend auch zu Verhandlungen mit Poroschenko über eine friedliche Beilegung der Krise bereit erklärt. Slowjansk liegt rund 100 Kilometer nördlich von Donezk. Die Separatisten aus Slowjansk haben sich der Waffenruhe nicht angeschlossen.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind seit Ausbruch der Kämpfe in der Ostukraine 423 Menschen getötet worden. Die Schätzung beziehe sich auf den Zeitraum zwischen 15. April und 20. Juni, teilten die UN mit. Mehr als 46.100 Menschen seien vertrieben worden, 11.500 von der Krim und fast 34.600 aus der Ostukraine.