Die EU-Staats- und Regierungschefs geben Russland noch bis Montag Zeit: Bis dahin muss die Regierung in Moskau zeigen, dass sie es ernst meint mit der Entspannung der Lage in der Ostukraine. Dazu müsse es unter anderem "substanzielle Verhandlungen" über den Friedensplan des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko geben, hieß es in einer Erklärung. Anderenfalls werde die EU weitere Sanktionen gegen Russland beschließen.

Außerdem listeten die EU-Staats- und Regierungschefs drei andere Forderungen auf. So müsse es eine Einigung auf einen Mechanismus zur Überprüfung eines Waffenstillstands und der Grenzkontrollen durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geben. Zudem müssten drei von Separatisten kontrollierte Grenzübergänge wieder unter Kontrolle der ukrainischen Behörden gestellt werden. Schließlich müssten alle entführten OSZE-Geiseln freigelassen werden.

Die ukrainische Armee werde ihren Teil dazu beitragen und die Waffen drei weitere Tage ruhen lassen, sagte Poroschenko in Brüssel. Die Waffenruhe galt bislang für eine Woche und damit bis Freitagabend. Sie solle nun um 72 Stunden verlängert werden, sagte Poroschenko. Er wolle es seinen Gegnern ermöglichen, Forderungen wie die Freilassung von Geiseln zu erfüllen, teilten Diplomaten beim EU-Gipfel in Brüssel mit.  

Die Verlängerung der Waffenruhe kann als weiteres Zeichen der Entspannung gewertet werden: Die Separatisten hatten diese Woche zugesagt, sich ebenfalls bis Freitagabend an die Waffenruhe zu halten. Am Freitagmorgen ließen sie darüber hinaus ein seit über einem Monat festgehaltenes Team OSZE frei. Ein zweites Team wird noch festgehalten.

Doch nicht überall wurde die Waffenruhe in den vergangenen Tagen strikt eingehalten: So wurden in der Nacht zum Freitag bei Angriffen fünf weitere Soldaten getötet, wie das ukrainische Militär mitteilte. Zu Wochenbeginn hatten prorussische Separatisten auch einen Armeehubschrauber nahe Slowjanks abgeschossen. Dabei wurden neuen Soldaten getötet. Insgesamt starben durch die Kämpfe im Osten und Südosten in den vergangenen Monaten mehr als 440 Menschen.

Russlands droht Ukraine mit "ernsthaften Konsequenzen"

Die Waffenruhe in der Ostukraine ist ein zentraler Bestandteil des Friedensplans, den Poroschenko für sein Land verfolgt. Der Präsident sagte, er sei zu Verhandlungen mit Putin bereit – trotz des Streits über die Schwarzmeerhalbinsel Krim und Moskaus Unterstützung für die Separatisten. "Manchmal ist die Position von Herrn Putin völlig pragmatisch, manchmal ist sie sehr emotional. Ich versuche einen Moment zu finden, in dem er pragmatischer und weniger emotional ist", sagte Poroschenko dem US-Sender CNN. Beide Präsidenten hatten zuletzt mehrfach telefoniert. 

Die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine werden jedoch belastet von dem EU-Assoziierungsabkommen, das Poroschenko auf dem EU-Gipfel in Brüssel unterschrieben hat. Russland reagierte darauf mit Drohungen: Die Ukraine werde zu spüren bekommen, dass eine Annäherung an die EU "ernsthafte Konsequenzen" habe, sagte Russlands Vizeaußenminister Grigori Karasin. Aus dem Kreml hieß es, um die russische Wirtschaft zu schützen werde "alles Notwendige" unternommen. Dies könnte etwa auf Schutzzölle für ukrainische Importe hinauslaufen.