Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat eine einseitige Waffenruhe ausgerufen. Die Feuerpause solle den prorussischen Separatisten in der Ostukraine Gelegenheit geben, ihre Waffen niederzulegen, sagte Poroschenko bei seinem ersten Besuch in der Region Donezk seit seinem Amtsantritt. Die einwöchige Waffenruhe gilt bis kommenden Freitag um zehn Uhr.

Die Waffenruhe soll den Weg für den angekündigten Friedensplan freimachen, teilte das Innenministerium in Kiew mit. Die Streitkräfte würden demnach Waffen nur noch zur Verteidigung einsetzen und nicht mehr aktiv gegen die militanten Separatisten vorgehen. Zudem hat Poroschenko angekündigt, auf Staatskosten mit der Wiedererrichtung von Wohnhäusern zu beginnen.

Die prorussischen Kräfte teilten mit, dass sie den Ankündigungen Poroschenkos nicht glauben. "Wir haben schon hundertmal von einer Waffenruhe seitens der Nationalgarde und der ukrainischen Armee gehört. Aber die Militäroperationen hören keine Minute auf", sagte der Donezker Separatistenanführer Andrej Purgin. Beenden könne das Feuer nur der Oligarch Igor Kolomojski, der als Gouverneur von Dnjepropetrowsk eigene regierungstreue Truppen finanziere. "Niemand wird die Waffen niederlegen", sagte auch der Separatisten-Anführer Miroslaw Rudenko der russischen Agentur Interfax zufolge.

Die Waffenruhe soll den 14-Punkte-Plan der ukrainischen Regierung einleiten. Poroschenko stellt das Konzept am Montag in Luxemburg vor. Den Berichten zufolge sollen prorussische Separatisten, die keine "schweren Verbrechen" begangen haben, straffrei ausgehen. Auch soll ein "Korridor für russische und ukrainische Söldner" zum Verlassen der Krisenregion eingerichtet und der Gebrauch der russischen Sprache durch Verfassungszusätze geschützt werden. Weiter sieht der Plan eine "Pufferzone" von zehn Kilometern entlang der Grenze vor. Sie soll verhindern, dass Kämpfer aus Russland über die Grenze gelangen und Waffen in die Ukraine geschmuggelt werden.

Kreml kritisiert die Waffenruhe

Die russische Regierung kritisierte den Friedensplan als unzureichend. Wie der Kreml mitteilte, sei die einwöchige Waffenruhe kein Schritt hin zu einem Friedensprozess, sondern fordere die Kämpfer der so genannten Volkswehr in der Ostukraine zur Kapitulation auf. 

Russland bereitet nach Angaben der USA weitere Panzer für den Transport in die Ukraine vor. "Wir haben Informationen, dass zusätzliche Panzer gestern von einem Standort im Südwesten Russlands aus losgefahren sind", sagte ein hochrangiger Mitarbeiter der US-Regierung, der anonym bleiben wollte. Er sagte, mit der Europäischen Union würden Gespräche über gezielte Sanktionen gegen Russland geführt: "Die Idee ist, Russland jene Investitionen und Hochtechnologie zu verweigern, die das Land für weiteres Wachstum braucht."

Die USA verhängten Sanktionen gegen sieben weitere Personen. Unter ihnen sind die Separatistenführer Denis Puschilin, Igor Strelkow, Waleri Bolotow und Andrej Purgin, teilte das US-Finanzministerium mit.

Im Osten der Ukraine hatten die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten am Donnerstag einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach Angaben eines ukrainischen Armeesprechers sollen 300 Rebellen getötet worden sein.