Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat eine internationale Untersuchung des Mordes an einem palästinensischen Jugendlichen gefordert. Das schrieb er in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Abbas sagte nach einem Treffen mit dem UN-Gesandten Robert Serry, radikale jüdische Siedlergruppen müssten als Terrororganisationen eingestuft werden. Rechtsgerichtete Israelis werden verdächtigt, am Mittwoch aus Rache den 16-jährigen Palästinenser Mohammed Abu Chder verschleppt und ermordet zu haben.

Die Polizei hatte am Sonntagmittag sechs Israelis festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, an der Tötung des Jugendlichen beteiligt gewesen zu sein. Nach Informationen aus Polizeikreisen handelt es sich "offenbar um jüdische Extremisten". Dass es sich bei der Tat um einen Racheakt für die Verschleppung und Ermordung von drei israelischen Teenagern Mitte Juni handelte, wurde von Beginn an vermutet.

Der Verdacht löste in den Palästinensergebieten starke Unruhen aus. Am Wochenende weiteten sich diese auf von der arabischen Minderheit bewohnte Städte im Norden Israels aus, wo Straßen blockiert, Steine und Brandflaschen geworfen wurden.  

Peres verspricht restlose Aufklärung

Der israelische Präsident Schimon Peres versprach, die Behörden würden die Tötung des Jungen restlos aufklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Sie würden "vor Gericht gestellt wie jeder andere Killer".

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mahnte zur Ruhe. "Die Erfahrung zeigt, dass man in Momenten wie diesen ruhig und verantwortungsvoll handeln muss, nicht hysterisch und hastig." Israel habe gegenwärtig an einigen Fronten zu kämpfen. Das wichtigste Ziel sei es, Ruhe und Sicherheit für die israelischen Bürger wiederherzustellen. Damit äußerte sich Netanjahu offenbar zu Forderungen rechtsorientierter Minister, mit einer Militäroffensive auf ständige Raketenangriffe aus dem Gazastreifen zu reagieren.

Zwei Tote bei Drohnenangriff

Unterdessen flog die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben weitere Angriffe auf den Gazastreifen. Es seien zehn Extremisten-Ziele angegriffen worden, unter anderem Raketenwerfer und Standorte für die Produktion von Waffen. Israel reagiere auf einen anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Bei den Angriffen wurden zwei Männer getötet. Sie seien am Eingang des Flüchtlingslagers Al-Bureidsch von Geschossen getroffen worden, berichteten palästinensische Augenzeugen und Ärzte.

Die militante Palästinensergruppe Islamischer Dschihad teilte mit, die Toten seien zwei Mitglieder des bewaffneten Arms ihrer Organisation. Agenturberichten zufolge soll es sich um einen Drohnenangriff gehandelt haben. Die israelische Armee erklärte, sie habe einen weiteren Angriff gegen Israel verhindert, indem an Raketenabschüssen aus dem Zentrum des Gazastreifens beteiligte Terroristen beschossen worden seien. "Das Ziel wurde getroffen", hieß es.