Die Zahl der in Afghanistan getöteten Zivilisten ist im ersten Halbjahr 2014 erneut deutlich gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der UN-Mission in Afghanistan (Unama). Von Anfang Januar bis Ende Juni seien 1.564 Zivilisten getötet worden. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, in dem es 1.342 waren.

34 Prozent der Toten waren Kinder und 24 Prozent Frauen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres habe der Konflikt 295 Kinder das Leben gekostet, teilte Unama weiter mit. Das sind 64 oder 27,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2013. Die Zahl der verletzten Kinder stieg demzufolge noch drastischer von 529 auf 776, ein Plus von 46,7 Prozent.

39 Prozent der Opfer insgesamt seien bei Kämpfen zwischen Soldaten und Aufständischen getötet worden. Das waren 89 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zum ersten Mal starben damit mehr Zivilisten bei Kämpfen als bei Bombenanschlägen, die für 30 Prozent der zivilen Opfer verantwortlich waren.

Weniger Tote durch Luftangriffe

Die Zahl der durch Mörserbeschuss und Panzerabwehrraketen getöteten Zivilisten stieg der Studie zufolge von 219 auf 474. An Straßenrändern explodierte Bomben töteten 463 Zivilisten, Selbstmordattentäter töteten 156 Zivilisten. Die Zahl der durch Luftangriffe der internationalen Kampftruppe getöteten Zivilisten sank in dem Zeitraum der Studie zufolge dagegen auf 25. Im vergangenen Jahr waren es in den ersten sechs Monaten 49 zivile Opfer gewesen.

Laut Unama waren die Aufständischen für 74 Prozent der Toten verantwortlich, die afghanischen Truppen für acht Prozent und die ausländischen Truppen für ein Prozent.

Durch die Ausweitung der Kämpfe am Boden habe sich der Konflikt in Afghanistan in diesem Jahr verändert, sagte der UN-Missionsleiter in Afghanistan, Jan Kubis. Die Auswirkungen auf Zivilisten seien "verheerend". Die neuen Zahlen unterstreichen die schwierige Sicherheitslage in Afghanistan vor dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes. Die USA und ihre Nato-Verbündeten wollen bis Ende des Jahres alle Kampftruppen aus dem Land abziehen. Der internationale Einsatz hatte Ende 2001 mit dem Sturz der Taliban-Regierung begonnen.