Kurz nach dem Beginn der israelischen Bodenoffensive schaltet sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon stärker in den Gaza-Konflikt ein. Ban werde am Samstag nach Nahost reisen und sich für eine Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern einsetzen, sagte der stellvertretende UN-Generalsekretär Jeffrey Feltman bei einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Eine Waffenruhe sei "unerlässlich", damit die humanitäre Versorgung der Zivilbevölkerung gewährleistet werden könne. Bereits jetzt habe das Flüchtlingshilfswerk keine Kapazitäten mehr, sagte Feltman. Der EU-Ministerrat rief beide Seiten auf, umgehend einem Waffenstillstand zuzustimmen.

Die israelische Armee rückte am Freitag weiter im palästinensischen Gazastreifen vor. Sie zerstörte nach eigenen Angaben mindestens 13 Tunnel, die die radikalislamische Hamas angelegt hatte, um Israel anzugreifen oder Waffen zu schmuggeln. Die Offensive hatte in der Nacht zuvor begonnen.

Mit dem ersten massiven Vorstoß in das Palästinensergebiet seit 2009 will Israel die militärische Infrastruktur der Hamas und verbündeter Gruppen zerschlagen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, dass die Operationen sogar noch ausgeweitet werden könnten. Ein Hamas-Sprecher sagte, der Gazastreifen werde sich in einen "Friedhof für israelische Soldaten" verwandeln, sollten die Truppen weiter ins Innere des Küstenstreifens vordringen.

Nach aktuellen Angaben palästinensischer Rettungsdienste starben seit Beginn der Bodenoffensive mindestens 30 Menschen. Insgesamt wurden demnach seit dem 8. Juli, dem Start einer Serie von Luftangriffen, 271 Palästinenser getötet und mehr als 2.000 weitere verletzt. Mindestens die Hälfte der Opfer seien Zivilisten gewesen. Die israelische Armee tötete nach eigenen Angaben bei ihrer Bodenoffensive 19 Militante und nahm 13 weitere gefangen. Auf israelischer Seite starben bislang ein Zivilist und ein Soldat.

Der Einsatz der Bodentruppen, den Luftwaffe und Marine unterstützten, weckte international Sorgen, dass es in dem dicht besiedelten Küstenstreifen am Mittelmeer noch mehr zivile Opfer geben wird. Auch die Hamas setzt ihre Raketenangriffe auf Israel fort. Am frühen Abend heulten erneut die Sirenen in Tel Aviv. Geschossteile fielen in der Nähe einer Synagoge und eines Kindergartens zu Boden. Verletzt wurde niemand. Die meisten Raketen fangen israelische Abwehrsysteme ab.

Vorerst will das Militär offenbar eine Art Pufferzone am Rand des Gazastreifens schaffen, um den Mörserbeschuss israelischer Orte künftig zu verhindern. Auch sollen jene Tunnel zerstört werden, die die Hamas unter der Grenze angelegt hat, um Angriffe und Entführungsaktionen auf grenznahe israelische Ortschaften zu starten.

Obama steht zu Israel

Papst Franziskus rief Israels Staatschef Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas an und äußerte "seine sehr ernste Sorge" über die Eskalation des Nahost-Konflikts. Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich besorgt über weitere Eskalationen. Washington hoffe, dass Israel Zivilisten schone. Erneut plädierte Obama für eine Feuerpause. Zugleich stellte sich der US-Präsident demonstrativ hinter die Regierung in Jerusalem. In einem Telefonat mit Netanjahu habe er seine "Unterstützung für Israels Recht, sich selbst zu verteidigen", betont, sagte Obama. Keine Nation müsse es hinnehmen, dass sie mit Raketen beschossen werde und Terroristen unter ihrem Territorium Tunnel bauten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Deutschland stehe in dieser Frage an der Seite Israels. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verlangte neue Bemühungen für eine Einstellung der Kämpfe. "Das Engagement der arabischen Nachbarstaaten für eine Waffenruhe muss weitergehen", sagte er.

Dagegen verurteilte der Iran das Vorgehen seines Erzfeindes erwartungsgemäß scharf. "Das ist ein neues Kapitel der unmenschlichen Verbrechen des zionistischen Regimes", sagte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham. Die Bodenoffensive grenze an ein Kriegsverbrechen.