Im Westen nichts Neues? Natürlich kann man die neuesten Meldungen über die Eskapaden amerikanischer Geheimdienste – und, nota bene, deutscher Geheimdienstmitarbeiter – auch einfach zynisch betrachten: So ist das halt in diesem Gewerbe. Spionage, Gegenspionage, Doppelagenten, usw., usf. – und davon leben ja auch die einschlägigen Romane, die wir so gerne lesen, jedenfalls gelegentlich, und vor allem von John le Carré. Aber in diesen Romanen geht es, soweit ich das überblicke, doch um Spionage beim Gegner.  

Gewiss, man musste wohl immer damit rechnen, dass dies eine naive Betrachtungsweise war und dass der Wissensdurst der Geheimdienste nicht Halt macht vor Freunden. Vor allem, wenn in unseren modernen Zeiten gegnerischer Terror auch, dort ungewollt, von Freundesland ausgehen kann. Doch hinter einem ordentlichen parlamentarischen Ausschuss hinterher zu spionieren und dazu die landesverräterische Illoyalität eines Bediensteten eines befreundeten Staates auszunutzen – das schlägt dem Fass den Boden aus. Zumal dies alles den Flurschaden verschlimmert, den man doch nach dem Abhören des Merkel-Handys angeblich von amerikanischer Seite beheben wollte. Und nun sieht man auch, weshalb die USA den Abschluss eines No-Spy-Abkommens selbst unter Freunden verweigern – und gerade mit dieser Weigerung die Freundschaft selber zur Floskel entwerten.  

Jetzt reicht Schimpfen, auch allerhöchstes Schimpfen von Seiten des Bundespräsidenten, nicht mehr aus. Wenn die US-Regierung, nein: Weil die US-Regierung und deren Apparat das Reden von der deutsch-amerikanischen Freundschaft ins Lächerliche ziehen, müssen nun andere Saiten aufgezogen werden. Die Bundesrepublik ist kein Satrapenstaat. Auf ihrem Boden können weder befreundete noch gegnerische Geheimdienste machen, was sie wollen.  

Wenn in den Zeiten des Kalten Krieges östliche Spione im Diplomatengewand es zu weit trieben, hat man einige von ihnen ausgewiesen (unter Inkaufnahme von paralleler Vergeltung). Wenn man Spione fassen konnte, stellte man sie vor Gericht und buchtete sie ein, wenigstens bis zur nächsten Austauschaktion. Doch womit man bei Gegnern immer rechnen musste – soll man sich das auch unter Freunden gefallen lassen müssen? Obwohl der Vertrauensbruch viel schwerer wiegt?  

Also sollte die Bundesregierung, wenn die Anzapfung des BND-Bediensteten von der CIA ausging, eben einen der CIA-Residenten als "persona non grata" nach Hause schicken. Es sei denn, man könne des Mannes strafrechtlich habhaft werden. Und der US-Botschafter in Berlin? Wenn es sich erweisen sollte, dass er – subjektiv vielleicht sogar glaubhaft – Porzellan kitten wollte, während seine Administration es weiter zerschlägt, wenn es sich also erweisen sollte, dass er zwar ein Gesandter, aber aufgrund dieser Umstände leider kein Geschickter sein kann, dann sollten wir ihm eben die Akkreditierung entziehen. So sorry. Und unseren Botschafter in Washington zur Berichterstattung zurückrufen.